gestern haben wir uns in die mgu (moskauer universität) geschmuggelt. im prinzip ist die uni ein großes gebäude, eine der stalin-schwestern, in dem studiert und gewohnt wird. und das von der miliz bewacht wird. die miliz is hier sowieso überall, dazu gleich noch mehr. laura hatte uns den hilfreichen tipp gegeben, dass man es am hintereingang versuchen soll und dass man einfach mit dem studentenausweis, den wir vom puschkin-institut bekommen haben ganz selbstbewusst an den wachen vorbei laufen soll. und genauso haben wir‘s gemacht. wieso is das so eine große sache? weil viele andere hier aus dem kurs es nicht in die uni geschafft haben. und wieso sollte man da überhaupt rein wollen? zum einen natürlich aus prestige-gründen (siehe oben), zum anderen um mal in einem von diesen stalinistischen tortenhäusern gewesen zu sein, und zu guter letzt natürlich wegen der aussicht. die mgu steht nämlich auf den sperlingsbergen, die, im gegensatz zu sagen wir jetzt mal dem kreuzberg, den namen berge fast verdienen. man hat da oben wirklich einen grandiosen blick über die stadt. und dann waren wir auch noch zum sonnenuntergang da. alles richtig gemacht quasi. wir sind dann erstmal ganz nach oben gefahren – kein kommentar zu dem fahrstuhl, ich bin froh wieder runter und raus gekommen zu sein. die obersten etagen sind aber gesperrt, da is so ein museum aber sakrita (geschlossen, wichtiges wort). aus der 18. etage hat man aber immernoch nen guten blick aus den verdreckten fenstern der philologischen fakultät.es war dann auch eigentlich garnimma so spannend, weil wir ja schon aussen auf der aussichtsplattform vor der uni alles gesehen hatten, es war viel aufregender es in die uni geschafft zu haben. ausserdem waren wir müde. MAN LÄUFT HIER SEHR VIEL. zitat: ihr macht nicht so oft was verbotenes, oder?! hm, ja.

extrem cool war auch, dass direkt neben der aussichtsplattform ein skilift und ne skispungschanze standen. mitten in der stadt. die spinnen. also wintersport in der stadt is überhaupt kein problem. am mittwoch waren wir im gorki-park-follow-the-moskwa schlittschuhlaufen, das is echt sensationell, die fluten die wege und dann eisen die ein und man kann auf den ganz normalen prakwegen zwischen den winterlich geschlossenen vergnügungsparkattraktionen schlittschuh laufen. oder stolpern. mir is aufgefallen, wie krass lange es her is, dass ich schlittschuh gelaufen bin, weil meine knöchel ungefähr nach 10 sekunden meinten es sei jetzt auch wieder genug. war aber sehr sehr lustig.

es is allgemein sehr lustig hier, alle haben viel spaß, trotz unterricht. und auch manchmal im unterricht. gestern haben wir beim umgangssprache-lehrer gelernt, dass das kennzeichen ekx (also die buchstabenkombination, da sind auch noch ganz viele zahlen) umgangssprachlich jedit kak choschet (fährt wie er/sie will) genannt wird, weil das die kennzeichen von regierungsmitgliedern etc, geheimdienst, militär sind. und die dürfen machen was sie wollen. als wir dann heute am freien freitag zum kreml sind, haben erika und ich die ganze zeit nach den ekx-autos ausschau gehalten und uns so gefreut, als wir das erste gesehen haben. aber im kreml gab‘s dann natürlich jede menge.

lenin hatte leider schönheitsschlaf heute, da empfängt er niemanden, deswegen sind wir in den kreml. aber weil wir uns so ungefähr null vorbereitet hatten… war das erstmal, siehe oben, mit viel laufen verbunden. zitat: mein reiseführer sagt, man soll erstmal einmal die mauer ablaufen. – haben wir dann halt gemacht, der eingang war nämlich auf der anderen seite. kann man ja nicht ahnen. wir waren etwas bis sehr verschlafen aufgrund der täglichen treppenhaus-party und haben uns willenlos die mauer entlang geschleppt und kamen dann also zur kasse. weil ich irgendwie immer nicht zu den gruppen gehöre, die irgendwo zuerst waren, hatten wir auch hier schon gehört wie‘s läuft: (kurzer einschub: andere, die an der mgu gescheitert waren, hatten den trick mit der hintertür dann auch rausgefunden.) also wir hatten gehört, die akzeptieren unseren studentenausweis nicht, weil sie sagen wir sind ja keine echten studenten, weil wir nur so kurz hier sind. der kreml is aber sowieso die übelste abzocke, man kann‘s nicht anders sagen, man zahlt da bis zu 20 euro eintritt!!! also alle anderen museen akzeptieren uns als studenten und lassen uns im zweifel umsonst, oder eben vergünstigt rein, der kreml nicht. deswegen hieß es sollen wir unsere deutschen ausweise mitnehmen. noch ein einschub: abgesehen davon, dass die kassenfrauen eh unsere schrift nicht lesen können… der hu-ausweis is ja der reinste ausdruck von offizieller vertrauenswürdigkeit.

also sind wir da hingestiefelt mit gezückten ausweisen und stehen so in der schlange, da quatscht uns so ne babuschka von der seite an, ob wir nicht in ihre exkursionsgruppe mit rein wollen, sie hätten auch nen führer. für 200 rubel. weil wir sonst 300 oder so gezahlt hätten fanden wir den deal ganz ok und die babuschka legt also los und redet auf die kassenfrau ein, dass wir jetzt auch dazu gehören und bla. ein riesenterz geht los und wir so daneben verstehen wenn‘s hochkommt die hälfte und warten einfach ab. nach langem hin- und her-schreien waren wir dann teil der gruppe und es war echt interessant. wir haben jetzt alle kirchen gesehen und sogar noch was gelernt. wenn man sie verstanden hat. zitat sandra: ja das is diese glocke, die war zu schwer um sie aufzuhängen. hier müsste auch irgendwo noch ne kanone stehen. – ja, da standen wir grad 5 minuten davor. hm.

die führerin mochte uns dann besonders und hat uns immer angeschaut und wir so da, da und fein genickt, aber so nen vortrag über die auferstehung, johannes den täufer und die bedeutung von ikonen in der russischen gesellschaft is dann halt doch nicht sooo leicht zu verstehen. aber wir haben uns von unserer besten seite gezeigt, natürlich. und in den kirchen war‘s warm! zitat: können wir noch in die nächste kirche bitte? – du willst doch nur ins warme! – ne! interessiert mich wirklich! ich sag‘s euch, der wind, mit dem ist nicht zu spaßen. statt waffenkammer sind wir dann auch lieber zu makdonalds, hm, schon wieder.

heute abend gibt‘s hier mensa-party und alle sind total aufgeregt, also mensa-nord is sicher en scheiß dagegen, sogar der security, der sonst keine miene verzieht, hat uns darauf hingewiesen, dass wir heute abend tanzen gehen sollen. ich werde auf jeden fall mal hingehen, aber ob das so ganz das wahre ist?! es nervt sowieso schon so ein kleines bisschen, jeden abend in der siffigen bar zu sitzen und hinterher im treppenhaus, weil man um 2 sanft gebeten wird die bar zu verlassen. aber wir sind hier so ab vom schuss, da kann man nicht mal eben schnell um die ecke was trinken gehen und dann fährt die metro nur bis 1 uhr, es is ein graus. also wenn man wegehen will, dann richtig und deswegen bleiben wir am ende eben doch immer hier.

achja, ich wollte ja noch was zum thema uniformen sagen. also miliz is hier ja überall, die „normalen“ und die hopphopphopp-truppen. aber auch sonst so viel uniformen. soldaten. private ochrana. und und und. und alle so hässliche uniformen mit kunstpelz. aber diese lange blauen mäntel mit den goldknöpfen, die sind schon schick. man bekommt so en bisschen nen eindruck davon, wie es früher in deutschland gewesen sein mag, bevor uniformen irgendwie uncool wurden. einschüchtern lassen wir uns nicht, aber es is trotzdem komisch. – und lächeln wollte der wachposten am kriegsmahnmal auch nicht, obwohl wir so sympathisch auf uns aufmerksam gemacht haben. pf. aber lag sicher daran, dass wir deutsche waren und das mit dem krieg und so. an uns persönlich kanns nicht gelegen haben.

Be Sociable, Share!

3 Responses to “80 rubel für ein taxi vom supermarkt nach hause, das kann nicht zu viel sein.”

  1. Was und wann meinst du bitte mit “früher in Deutschland bevor Uniformen uncool wurden”? Bei Euch jungen Leuten weiß man das mit “früher” ja nie einzuschätzen: IMZweifelmeint ihr unsre Jugend, nein, es gab zwar eine Parka-Zeit, aber Uniformen? Bei einer Historikerin vielleicht zu Kaisers Zeiten? Dann aber ist es politisch unkorrekt von “uncool werden” zu sprechen, das lag ja dann doch eher an den von Deutschland angezettelten Kriegen.
    Klär mich bitte auf!
    Sonst: Klingt ja mega cool, besonders die Eisbahnen im Park, das hätten wir in Berlin dieses Jahr auch machen sollen!

  2. Viel Spannender als Zeitung/Buch/Spiegelonline zusammen 🙂

Leave a Reply

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

(required)

(required)