ja, freitag ist ja frei-tag, also wochenende – für einen teil von uns zumindest. ich gehöre zu den lucky few. was tun mit der vielen freien zeit? wir sind nach sergijew posad gefahren. das ist ein kleiner ort außerhalb von moskau, man fährt mit dem zug (elektritschka) ca. andahalb stunden und ist dann mitten auf dem land. die hinfahrt war schonmal spektakulär, all die leute, die zurück in ihre vorort-häuser fahren und den zug wahnsinnig voll machen und von denen jeder zweite irgendwas verkaufen will. von kinderbüchern über leuchtende kugelschreiber bis zu marionetten. hatte was von kaffeefahrt.

in sergijew posad gibt es eine sehr schöne klosteranlage zu bewundern. leider gab es auch sehr viel schnee. wir hatten uns so ungefähr den schneeigsten tag überhaupt ausgesucht für unsere kleine expedition aus der stadt. aber wir waren frohen muts. das kloster ist wirklich sehr schön mit seinen vielen verschiedenen natürlich prachtvollen weil orthodoxen kirchen, aber sonst gibt‘s nicht allzu viel zu sehen. sankt sergius ist scheinbar der nationalheilige von russland (hm war das nicht sankt georg? egal.) und an seinen sarg kommen echt viele leute um ihn zu küssen. es is schon interessant so die orthodoxen gläubigen zu beobachten mit ihrem hinknieen, singen und bekreuzigen. und also auch dem küssen von särgen. aber wie wir äusserst gebildet festgestellt haben, so einiges an religionen ist ja von aussen betrachtet erstmal seltsam. ich sag nur oblaten. aber die kirchen sind echt hammer. lieblingsfarbe der orthodoxen? gold. und die zwiebeltürme. in diesem fall blau mit goldenen sternen.

es hat ja wie gesagt die ganze zeit geschneit und kalt war‘s auch, zitat: wir haben den schlimmsten winter seit langem… toll. aber in sergijew posad gibt‘s zum glück eine ausgebaute touristen-infrastruktur (für den sommer) und ein einkaufszentrum. da kann man sich, so als beispiel, aufwärmen und landestypisches oder amerikanisches fastfood genießen. prima.

die rückfahrt war auch wieder ganz lustig, weil wir in einem älteren modell zug saßen und der fahrer irgendwie probleme beim anfahren hatte – ruckeln. zugfahren in russland ist übrigens echt billig, da könnte sich die deutsche bahn mal ein beispiel dran nehmen. also studenten zahlen zum beispiel den halben preis!!! das war unser ausflug in die naja provinz (geht noch schlimmer, je weiter weg von moskau man kommt). da hält der zug dann auch mal mitten im wald ohne dass ersichtlich wäre, wo hier leute hinwollen könnten.

gestern gab‘s dagegen das kontratsprogramm, wir haben uns vdnkh angeschaut, das heißt so in etwa sowjetisches ausstellungszentrum, heutzutage allrussisches ausstellungszentrum und ist heutzutage eine art ramsch-outlet. von den 30ern bis 50ern entstanden hier für die verschiedenen sowjetrepubliken und regionen sowas wie kulturelle repräsentationen mit all dem sowjetkitsch und -pathos, den man sich so vorstellen kann. hübsch anzusehen ist es immernoch, aber jetzt sind in den verschiedenen pavillions restaurants und läden untergebracht oder auch mal austellungen von schmetterlingen oder katzenbabies. ja. ich wollte da hin, weil es einen recht bekannten brunnen gibt mit frauenfiguren in den trachten der verschiedenen nationen. aber es ist ja winter und deswegen alles viel weniger eindrücklich.

da oben im norden fährt eine monorail-bahn (die heißt echt so!), das konnten wir uns natürlich auch nicht entgehen lassen und es war fast lustiger als das ausstellungsgelände. ich musste natürlich die ganze zeit an die simpsons denken, aber es gab ein gleis für beide richtungen. meine begleiter, allesamt in technischen studienfächern eingeschrieben… hatten ihr gesprächsthema gefunden: wie fährt die bahn? man einigte sich im endeffekt irgendwie, ich hab‘s schon wieder vergessen worauf. wie so oft standen die russischen passagiere mit einer mischung von entsetzen und genervtheit neben den deutschen touristen, die ihre gute laune so offensichtlich zur schau stellen mussten. wir haben jetzt übrigens gelernt: wenn er angelächelt wird, denkt der russe automatisch irgendwas stimmt nicht. deshalb die mürrischen gesichter. war doch klar, man! aber man sieht ihnen schon oft an, dass sie‘s irgendwie unlustig finden, wenn wir immer in lauten gruppen in den bahnen rumstehen, deutsch reden und alles fotografieren. haha und wir bleiben auch gerne am ende von rolltreppen stehen, man kann das alles jetzt mal ausleben, was einem in berlin selbst WAHNSINNIG stört. hach was für ne gelegenheit, die lass ich mir ungern entgehen.

man kann hier eh nicht nicht als tourist erkannt werden, wir seh‘n einfach anders aus. also selbst wenn wir mit stoischer miene, müde und abgekämpft rumstehen und in der masse unterzugehen versuchen, das läuft nicht. unsere klamotten und taschen und schuhe und frisuren und alles verraten uns eh. aber schön ist, dass die russen deswegen nicht unbedingt die manie haben englisch mit einem reden zu müssen. typischer dialog: bäowdbäoduibdzew (unverständliches, schnelles russisch). – entschuldigen sie bitte, ich spreche nur schlecht russisch, könnten sie bitte etwas langsamer sprechen? – nuwüdbepwzndueögdew (s.o.) da wird keine falsche rücksicht genommen, was soll das auch, selbst schuld, wenn man hierher kommt sag ich jetzt mal! aber gestern hab ich mich im supermarkt mit einer russischen babuschka (81 jahre alt) unterhalten, die war krass. erstmal fragt sie mich was zu kartoffeln, was ich nicht verstanden hab, aber einfach mal gesagt hab ich weiß es nicht – ich liebe es, wenn die einheimischen denken, ich sei einer von ihnen und mich alltagsfragen stellen, wunderbar. naja, nach einem weiteren frage-antwort-wechsel musst eich dann gestehen des russischen nur rudimentär mächtig zu sein und dann legte sie los. die hat mir ihr halbes leben (vater war weißer soldat, mutter bäuerin, sie hat medizin studiert), ihre meinung zu stalin und hitler (stalin war schlimmer), ihre reise durch europa (überall wo ich noch nicht war) und deutschland an sich (kostenlose gesundheitsversorgung, wirtschaftliches wunderland) mitgeteilt. ich hab natürlich nur die hälfte verstanden, aber auch das war schon genug. und meine äusserst kurzen beiträge zum gespräch haben sie auch nicht weiter gestört. die war echt cool.

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3 Responses to “wochenend und sonnenschein”

  1. 1. andahalb
    2. Schland, oh Schlaaand

  2. So schöne Fotos! Danke —

  3. tourist sein, das möchtma ja echt mal wieder! Sehr gut, das woanders auszuleben. WErde es mir gleich für London vormerken. Hast ja recht: Was soll ideses pseudo coole angpasste Getue! Die Einheimischen freuen sich und können überlegen tun und sich fühlen- tun wir balina ja schließlich och. Also rufe ich dir ein herzliches Weiter So zu!

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