dieser abendschlaf, dieser gefährliche geselle… der setzt sich hier gerade durch. was machst du jetzt? – ich leg mich en stündchen hin oder zwei. – alles klar, ich auch, wir sehen uns zum essen. und ich muss sagen, ich bin noch eine von denen, die erst jetzt anfangen den schlaf nachzuholen, viele andere haben schon früher aufgegeben. aber auch bei mir setzt jetzt so eine art sättigungsgefühl ein. wir haben schon so viel gesehen, und klar gibt‘s noch viel mehr, was wir nicht gesehen haben, aber die lust geht zurück.

mit dazu bei trägt – für mich auf jeden fall – der endlos lange weg bis zur ubahn. dadurch sinkt die motivation sich erstmal auf den weg zu machen. der gedanke an die 20-25 minuten ist ein echter killer. und jetzt taut‘s auch noch. kein problem sagt ihr, deswegen habe ich mir ja extra gummistiefel gekauft?! jaha, DIE SIND ABER KAPUTT GEGANGEN. und das gibt auch noch ärger, hilft im moment aber nicht. die wege sind jetzt überflutet und die füße entsprechend nass.

also ich war heute aber trotzdem draussen. es hilft ja nichts. vor dem nachmittagsessen und dem abendschlaf. heute morgen war ich bei lenin! als treue anhängerin musste ich dem großen meister natürlich einen besuch abstatten. wie bereits berichtet (oder?) ist der gute herr an den entscheidenden tagen (freitag und montag, an denen wir respektive frei haben) geschlossen. nun denn bleibt einem die möglichkeit den unterricht unterricht ein zu lassen, oder eben am wochenende zu gehen. geöffnet ist nämlich immer nur von 10 bis 13 uhr. ja man kann es sich leisten kapriziös zu sein, wenn man sowieso den ganzen tag nur rumliegt… also ich mich für heute entschieden und demnach in die lange schlange eingereiht.

ein exkurs zum thema anstehen in russland: am besten man kennt jemanden weit vorne zu dem man sich stellen kann. oder man tut so, also würde man jemanden kennen. hinten stellen sich nur unwissende und anfänger an (beispielsweise ausländer). so zu beobachten jeden tag in der stolitza столовая (NATUERLICH, mit dank an t.s.)(mensa) hier im institut. das haben wir aber gleich durchschaut, haha, wir sind ja nicht doof. wenn alle gleichzeitig pause haben – 10 minuten plus oder minus machen da keinen großen unterschied – dann ist natürlich klar, dass es zur schlangenbildung kommt. umso besser, wenn man sich zu denen stellen kann, die eben doch 10 minuten früher raus durften, dann spart man wenigstens einen teil der anstehzeit. nicht dass sich das essen lohnen würde, ich sag nur: ich sehne mich schon nach unserer mensa…

in der schlange zu lenin kannte ich aber keinen und ich hab dann auch nicht so getan als wäre dem so. voila etwas mehr als 30 minuten wartezeit. und dann ist man drin, yeah. an lenin wird man ja nur vorbeigeschleust, stehenbleiben is‘ nicht. ziemlich zierlich der gute wladimir iljitsch. nun denn, jetzt war ich da. eigentlich fand ich die gräber an/in der kreml-mauer fast spannender. wer da so liegen darf. aber echt auch mal wieder typisch: zurück gehen um seine abgegebene tasche wieder zu holen, muss man aussenrum, mitten über den roten platz, da hört der durchschleusevorgang dann auf.

im anschluss bin ich – damit das nicht zu viel des guten wird, spätrömisch-dekadent als die touristin aus dem westen, die ich nunmal bin, nochmal auf den ismailowno-flohmarkt gefahren, wo man all den russia-trash bekommt, den man sich so wünschen kann: matroschkas, schapkas, matroschkas, propaganda-plakate, raketenwerfer…

gestern gab‘s auch nicht allzu viel action, erstmal kollektives ausschlafen aufgrund diverser ausflüge ins moskauer nachtleben am abend vorher. das enttäuscht übrigens, dazu gleich mehr. das museum für gegenwartskunst aka sojetisches propagandamuseum hat leider auch etwas enttäuscht. es ist wirklich gut konzipiert, sehr modern und interessant, aber ich hatte irgendwie mehr erwartet nachdem verschiedene leute meinten man solle sich zeit dafür nehmen.

gezeigt wird die geschichte russlands und der sowjetunion ab ca. 1905 und ausgestellt sind gegenstände, fotos und plakate, die in der hauptsache ein positives bild von der sowjetunion zeichnen. verständlich, weil der sinn des museums früher genau hierin lag. und ich wusste das auch. aber ich muss sagen abgesehen von interessanten fotos hatte ich jetzt nicht so viel spannendes zu entdecken, vielleicht lag‘s wirklich daran, dass ich schon weiß wie die geschichte geht. war aber trotzdem ganz hübsch. und direkt nebenan dieses höllisch köstliche cafe mit warmem zimtgebäck, hmmmmm.

so also jetzt noch was zum nachtleben hier: vollgepackt mit tollen tipps sind alle leute hier angereist, zur not gibt‘s auch noch diverse reiseführer, das internet und die hier schon wohnenden studenten, es sollte also nicht an hinwiesen mangeln wohin. folgende probleme: tipps von anderen wollen getestet werden und die kürze der zeit erlaubt wenig spielraum. man muss damit planen die ganze nacht wegzubleiben, weil eigentlich erst ab 6 uhr früh wieder zulass zum heim gewährt wird. die metro fährt nur bis 1 uhr und dann wieder ab 5 uhr.

dazu kommt, dass die russen irgendwie anders feiern. ich bin jetzt nicht der größte experte fürs weggehen und ich kann auch nicht genau sagen, was es ist, was die einstellung hier unterscheidet, es gibt ja jede menge clubs und verschiedene musik. es ist mehr so das verhalten in den clubs dann. irgendwie ne komische stimmung. also wir versuchen‘s trotzdem immer wieder, keine frage, aber so ganz das gelbe vom ei isses leider nicht. – und am ende landen immer alle im propaganda! da isses aber auch ganz erträglich.

was mir aus ägypten zugetragen wurde, stichwort wo ein körper ist kann kein zweiter sein? so ein unsinn! das trifft durchaus auch auf die russen zu. nur dass sie manchmal noch fragen ob es denn ok wäre wenn der eigene körper durch den anderen erweitert würde, ums jetzt mal harmlos zu formulieren. anders könnte man auch einfach sagen sie kennen kein NEIN und sie haben ihre hände nicht im griff.

das lustigste am freitagabend war eindeutig die taxi-fahrt. wir hatten die falsche adresse bzw. der club war wohl unterdessen umgezogen und es stellte sich die herausforderung zu dieser neuen adresse zu kommen. ein auto ist schnell angehalten und um einen preis verhandeln ist mittlerweile ja auch nicht mehr schwer: zum belarusski-bahnhof bitte. wie viel? – 300. – 300? nein, 100. – 100? nein. 300 für alle sechs. – alle sechs? alles klar, rein mit euch leute! und das ist die geschichte wie wir zu sechst, also sieben leute mit fahrer in einem lada durch moskau fuhren. mir liefen die tränen nur so runter vor lachen, vor allem als steffen plötzlich beschloss, dass er jetzt unbedingt seine kamera aus der tasche fummeln muss und sich auch nicht davon abhalten ließ, dass auf der rückbank mit 5 leuten einfach nullkommanull platz war sich aufzurichten und zu kramen.

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One Response to “matsch und müdigkeit”

  1. ok, das “propaganda” schießt den vogel der Kommentar-faulheit endgültig ab! – jetzt muss ich mich melden, kurz vor knapp – schon allerlei Erwähntes spricht sozusagen wörtlich aus meinem nicht vorhandenen Peking-Blog… Verkehr (metro, taxifahren/r, ehx(?)), Wohnheimregeln, Schlangestehn, Uniformen, Clubs…KLO! 😀 und und und ..die Kommunisten unter sich eben..aber das Zitat zum Propaganda eben muss geklaut sein!! 😀 HAHA genau am Wudaokou zu finden, dem Pekinger Europäer- und Koreanerviertel schlechthin

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