so, das war‘s. an einem der ersten abende meinte ich ganz pessimistisch zu nicole, das werden bestimmt furchtbar lange vier wochen und jetzt sind sie schon wieder vorbei. ein ganzer monat. wie lange ist das, wenn man im alltag steckt. und es waren volle vier wochen, vollgepackt mit eindrücken und erlebnissen.

wie ich mich gefreut habe, als ich am abflugtag in berlin schon am flughafen iswinitje zu so nem nervigen russen vor mir in der schlange sagen konnte. und heute konnte ich besser russisch sprechen als so ne bande frischlinge aus china. es sind die kleinen erfolge… also im ernst, ich glaube wir haben alle extrem viel gelernt. ich hab mich immer beschwert, dass ich nicht fähig bin beim bäcker einzukaufen, weil uns in den kursen zwar beigebracht wird, wie man über arbeitslosigkeit diskutiert, aber nicht wie man überlebt. und genau das hab ich jetzt nachgeholt. und es klappt mittlerweile sogar mit den zahlen – fast immer. zumindest passiv.

ohne jetzt hier so sentimentalen ich-blicke-zurück unsinn von mir zu geben, einige letzte bemerkungen zu land und leuten: man kann sich daran gewöhnen zu viert/fünft zusammen zu wohnen, aber auf die dauer würde ich hier im wohnheim vermutlich eingehen. die leute, die man hier jeden abend im grellen licht der bar sieht, die kann man nur bewundern für ihre ausdauer und ihren optimismus. und dieses ständige bemuttert werden. gut, viele von den studenten kommen hier mit 17, 18 hin, aber man kann da doch dann auch differenzieren. vor allem weil zweimal im jahr gruppen von der hu herkommen und sicher auch aus anderen unis. grad wenn wir nur vier wochen hier sind.

beispiele: die etagen-wach-putzfrau muss mich nicht darauf hinweisen, dass ich aufräumen sollte, das seh ich auch so und entscheide mich bewusst dagegen. der wachmann muss nicht jeden abend unsere ausweise mit größter sorgfalt prüfen wenn er uns jeden tag sechs mal sieht. sowieso, die kameras und rauchmelder überall – allein in unserem kleinen zimmer hier hängen zwei rauchmelder. überwachungsstaat. die sportlehrer müssen nicht in einem anfall von pseudo-unterricht drei runden im minikreis laufen lassen und dann die arme dreimal kreisen lassen, das nutzt dann auch so gut wie nichts. die wäschefrau sollte einem nicht dreimal zurück schicken, weil man nen kaffeefleck auf der bettdecke hat, wieso gibt man die wohl in die wäsche? undundund.

auch der frontalunterricht, der immernoch groß in mode zu sein scheint, inklusive mehrfacher wiederholungen im chor, das müsste nicht sein. aber ansonsten war das leben hier echt viel viel besser als ich je erwartet hätte. es gab jede menge wirklich nette leute in der gruppe, irgendwer saß immer in der küche oder im treppenhaus, irgendwer hat sich immer gefunden, der nen ausflug machen oder ein bier trinken wollte. aufstehen jeden morgen war auch nicht so schlimm, die klickerklacker-schuhe der russinen irgendwann erträglich und die mensafrauen echt sowas von übelst freundlich.

gestern haben wir uns noch – sehr spontan – mit leo getroffen. in echt russischem umfeld mit russischem essen. so schön zum abschied nochmal und ab morgen gibt‘s nur noch schnitzel.

ein großer teil der gruppe ist heute schon abgereist, wir folgen dann morgen – und ich bin mir da mit dem abreisedatum auch ganz sicher im gegensatz zu anderen offenbar. ich habe mich an das leben hier gewöhnt, ich würde noch bleiben, aber es is auch ein wunderschöner gedanke, dass es zuhause 20 grad sein sollen.

Be Sociable, Share!

Leave a Reply

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

(required)

(required)