Meine Russischlehrerin hatte diese köstlichen russischen Schokoladen mitgebracht und nachdem die Ergebnisse des Grammatiktests für mich bescheiden bis intolerabel ausgefallen waren, beschloss ich es sei an der Zeit dem russischen Supermarkt an der M13 einen Besuch abzustatten. Jedes Mal, wenn ich mit der Tram zum Training fahre, sehe ich das Schild aber ausgestiegen und reingegangen bin ich noch nie. Jetzt sollte der Tag also noch versöhnlich enden, was Russisch angeht und so machte ich mich auf den Weg. Nun muss man wissen, dass in Berlin momentan der Jahrtausendsommer wütet. Die ganze Stadt stöhnt unter der Hitze, aber ich find’s prima. Meistens. Wann ich die Hitze nicht prima finde: Im Seminar. – Erledigt, es sind Sommerferien. Bei der Arbeit. – Verdrängt, es ist Wochenende. In öffentlichen Verkehrsmitteln…

Schon klar, dass vielen Menschen die Hitze nicht gefällt, schließlich fängt der Körper an unkontrolliert Flüssigkeiten und Gerüche abzusondern. Aber da kann man ja was gegen tun. Mit passender Kleidung zum Beispiel. Oder mit Errungenschaften der Menschheit wie Deo. Schon mal drüber nachgedacht, möchte man dem ein oder anderen Zeitgenossen gerne zurufen. Geht aber schlecht, wenn man vor Wärme und Luftanhalten gerade damit beschäftigt ist den eigenen Organismus irgendwie am Leben zu erhalten. Und schreien wäre auch gar nicht nötig, schließlich steht man ja kuschelig eng nebeneinander. Ja, es ist herrlich momentan mit Bus und Bahn unterwegs zu sein. Rette sich wer kann auf die eigenen zwei Räder!

Beliebtes Fluchtmittel aus der Realität der aktuellen Wetterlage ist der Drang nach kühlerer Luft. Exzessives Fächern allerorten mit allen möglichen Dingen, vorzugsweise in Papierform, kann denn auch von einer Tatsache nicht ablenken: Der Trend geht momentan ganz klar in Richtung Fächer. Einst belächelt als Accessoire blondpinker Tussis hat sich der gemeine Fächer längt seinen Platz in der Mitte der Gesellschaft erschlichen. Wer keinen hat schwitzt nicht nur mehr, er oder sie ist auch schnell als Schmarotzer verschrien, denn was noch uncooler ist als sich neidischerweise über Fächer lustig zu machen ist der beliebte Spruch, ja genau noch en bisschen mehr hier in die Richtung bitte. Kommt nicht gut, denn fächern ist Hochleistungssport. Kann ich sagen, denn ich hab mir schon mal Muskelkater geholt, tjaha.

Und nun ein letzter Beitrag für heute zum Thema es ist so warm mömömö. – Zwar habe ich angekündigt diese Anekdote erst in meinen zu veröffentlichenden Memoiren zu verwenden, aber aufgrund von Aktualität und Herzerwärmung wird sie schon hier und heute dem spöttischen Blick der Öffentlichkeit preis gegeben: Mein Cousin behauptete heute beim Abendessen die Lufttemperatur sei in etwa Körpertemperatur. Auf erstauntes und leicht hämisches Nachfragen nach dem Motto, die Körpertemperatur beträgt 36 Grad, wollte er den Beweis führen. Er griff nach dem Finger seines Vaters, hielt ihn einige Sekunden fest und griff dann mit gleicher Bewegung in die Luft. Sein Urteil lautete, die Luft habe etwa 22-23 Grad. Manche Menschen hören Stimmen, andere sehen Geister, ich kenne einen der fühlt Temperaturen.

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2 Responses to “Sommerferien in Berlin – Tag 0, Tag 1: Vom Glück klimatisierter Straßenbahnen”

  1. ach schoen! du bist wieder da! mein lieblingswort lautet: blondpink.

  2. …aber ich kann es bestätigen: Der Junge hatte recht! Es waren 22,5Grad! Vielleicht sollte er diese Fähigkeit ausbauen und gewerblich nutzen?

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