Lange angekündigt und doch erfolgreich verdrängt bis ultimo: Es regnet. Toll. Und das Berliner Fenster verkündet schon das Ende des Sommers. Geht’s noch? Grad hatte ich mich dran gewöhnt, an dieses feine Prickeln wenn man morgens aus dem Kühlkeller aka Wohnung ins Freie trat und die Sonne schon um 9 Uhr mit voller Wucht auf einem einstrahlte. Und außerdem war Projekt maximale Bräune 2010 so gut angelaufen. Nein, damit gebe ich mich nicht zufrieden!

Kurz vor Torschluss hat diese Woche sommertechnisch auf jeden Fall noch mal gut Einen ausgegeben muss ich sagen. Vor allem was Picknicks angeht bin ich jetzt ein Experte. Da macht mir keiner mehr was vor! Flaschenöffner? Hab ich! Decke? Klar! Lange Hose wegen Gras/Nachtkühle/MÜCKEN (ahhhh ich hasse sie, sie lieben mich, das kann nicht gut gehen)? Also bitte! Montag, Dienstag, Mittwoch – dreimal hab ich ganz in der Tradition Rotkäppchens meinen Korb mit Wein und Kuchen gepackt und mich in die freie Natur gegeben. Wald is nich so hier, deshalb auch kein Wolf, dafür aber Montag Picknick und Ballspielen vor dem Alten Museum, Dienstag Grillen auf dem Tempelhofer Feld und Mittwoch Baden am Heiligenseer See (man beachte die Doppelmoppelung!). Alles in allem also eine durchaus positive Bilanz der letzten Tage, eine gewisse Zufriedenheit mit dem bisherigen Verlauf der Sommerferien kann und soll nicht unterschlagen werden.

Neben Sonne und Picknick spielen momentan Bücher auch wieder eine ganz große Rolle in meiner Tagesgestaltung. Sonntag hab ich auf dem Boxi zugeschlagen, ich konnte nicht anders, es war stärker als ich und so durften mich vier Bücher mit nach Hause begleiten. Bücher sind Freunde! Wie ich mich freue, wie sie da so liegen und auf mich warten. Herrlich. Ich denke demnächst folgt eine kleine Episode zum Thema gute Bücher – schlechte Bücher. Wobei schlecht vielleicht etwas hart ist, sagen wir gute Bücher – weniger gute Bücher. Hier ein kleiner Vorab-Geschmack:

Joseph Kanon: Stadt ohne Gedächtnis:

Lief mir auf dem Hacke’schen Markt über den Weg und ich dachte ach ein weiterer wenig gehaltvoller historischer Roman, allein, dem war nicht so! Der Autor der Romanvorlage von „The Good German“ (Amazon sei Dank für diese nachgereichte Information!) schildert das Venedig der unmittelbaren Nachkriegszeit. Der amerikanische Soldat Adam Miller besucht, nachdem er aus der Army entlassen wurde, seine Mutter, die sich in Venedig niedergelassen hat, der Stadt ihrer Jugend. Man hat beim Lesen den Eindruck als würde einem ein vorangegangener Band fehlen, so sehr geht der Autor davon aus, dass man die Vorgeschichte seiner Figuren kennt, dies wird besonders deutlich wenn es sich um ebendiese Jugend der Mutter handelt. Macht aber nichts, wirkt ganz gut und ist ja eigentlich auch nicht wichtig. Adam jedenfalls verliebt sich in Claudia und seine Mutter bandelt mit dem Arzt Gianni an, FriedeFreudeEierkuchen quasi, Venedig wie geschaffen für junges Glück. – HA! Denkste! Is’ nämlich Winter und Venedig nicht ganz so schön, nicht ganz so verliebtetauglich. Und jetzt kommt der Hammer: Mitten in der Geschichte, so etwa auf der hundersten Seite passiert ein Mord und man denkt sich äh was war’s das jetzt? Ein Mord, nicht am Anfang, nicht am Ende und trotzdem extremst handlungsbestimmend. Und alles kommt anders als man dachte. Fazit? Nicht wirklich hohe Kunst, aber auch nicht so schundig wie ich dachte. Angenehme Sonnenlektüre. Ich sag jetzt mal 2 von 5 möglichen Sternen.

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