Ein vermutlich letztes schönes Wochenende, da sag ich nur: Ab auf die Terrasse.

Beobachtungen an einem Sonntag-Nachmittag:

Diese blauen IKEA-Taschen („Ach komm, die kostet nur einen Euro, die nehmen wir mit, die ist so praktisch, die kann man dann ja nehmen um Pfand wegzubringen, oder für die Wäsche.“) finden tatsächlich einen zweiten Verwendungszweck, der ihre Existenz berechtigt, und zwar tataaa als Flohmarkt-Begleiter. Natürlich geht der gemeine Flohmarkt-Besucher NICHT mit entsprechend nützlichen Behältnissen aus dem Haus, denn: „Wir laufen da ja nur ein bisschen drüber. Mal schaun, was es so gibt. Ich hab eh kein Geld. Gibt meistens sowieso nur Mist.“ Hm ja ne is klar. Und dann wollen die Stehlampen, Kuckucksuhren, Bilderrahmen und Sessel ja auch irgendwie nach Hause gebracht werden. Und schon wird ein findiger Händler eine ungeliebte blaue IKEA-Tasche los. Is halt doof für den Einkäufer, der hat noch eine mehr. – „Aber die kann man ja nehmen um Pfand wegzubringen. Oder für die Wäsche. – Ach ne, dafür haben wir ja beim letzten Mal bei IKEA extra nen Korb gekauft. Ach es wird sich schon was finden.“

2. Wie neulich bereits ausführlich erörtert habe ich meine Antennen auf Besucher (ich will aus Respektgründen nicht von Touristen sprechen) unserer schönen Hauptstadt sensibilisiert. Und einmal auf der Frequenz kommt man da so schnell auch nicht wieder weg. Das is wie mit den Jeans, die man haben will und die man plötzlich an allen Menschen sieht. Oder diese schwarzen flachen Schuhe. Wieso hab ich solche eigentlich selbst noch nicht? Und sollte ich jetzt wieder kurze Haare tragen, da sich alle Leute die Haare zu schneiden scheinen? – ZURÜCK ZUM THEMA SANDRA. Ja genau, wo war ich?! Richtig. Grobe Schätzungen haben ergeben, dass von den daherspazierenden Sonntagsmenschen bestimmt so 70-80% in english miteinander kommunizierten. Sprach sie und meinte zu Vanessa: Isn’t it funny, how more people seem to speak English than German. Äh ja. Ich ja just (deutsch ausgesprochen) auch. Damn. Man rutscht da so rein. Aus Faulheit. Und dabei wollte ich mit Vanessa ja nur Deutsch sprechen. Und nicht nur, weil ich gerne korrigiere und verbessere. Nein, weil ich ja auch was lernen wollen würde, wenn ich schon mal in nem fremden Land bin, dessen Sprache mir leidlich vertraut ist. – Also furchtbar heute diese Abschweifungen. Was ich nur sagen will: Der gemeine Sonntagsspaziergänger, Bruncher und Flohmarktbesucher in Friedrichshain spricht Englisch. Man ist ja Kosmopolit. Und Multilinguit. Wie man in meiner südlichen Heimat zu sagen pflegt: Wir können Alles. Sogar Englisch.

Was fällt noch auf? KINDER. Ja, Überraschung, ich weiß. Jedes Mal, wenn ich da so auf dem Freisitz sitze wird mir mit erschreckender Deutlichkeit deutlich, dass ich die Anforderungen meines sozialen Umfelds nicht erfülle: Ich habe weder einen Hund (wahlweise 2 bis 3), noch ein Kind (wahlweise Zwillinge), noch bin ich schwanger. Sonst aber so gut wie jeder. Also diejenigen, die vorbei wandern. Nun muss man dazu sagen, dass die meisten Mitbürger, die wie ich diese Kriterien nicht erfüllen, vermutlich wie ich zuhause auf dem Balkon sitzen, in der zuhause-Trainingshose, mit Sonnenbrille und ungekämmt und sich versuchen an die vorangegangene Samstag-Nacht zu erinnern. Und eben nicht von Hunden und Kindern ins Freie gedrängt werden. Und nicht durch Besucher dazu genötigt werden so zu tun als würden sie sich jeden Sonntag in ihre ultra-hippen Klamotten werfen um sich dem obligatorischen Sehen-und-Gesehen-Werden anzuschließen. Is nämlich alles nur Fassade. Potemkinsche Dörfer, die wir für euch liebe Gäste errichten. Und deshalb ist natürlich der frühe Sonntag-Nachmittag der ideale Zeitpunkt um das soziale Biotop, das sich immer mehr zu einem Parentselsberg-Junior entwickelt, zu beobachten.

Den größten Spaß habe ich aber dann, wenn ich Eltern-aufhalten spiele. Der kleine Ole, Emil oder wasweißichwieihreureKindermomentannennt strebt – den Hunden nicht unähnlich, nur von mir mit größerer Begeisterung empfangen – schnurstracks auf die offene Wohnungstür zu. Und die unangenehm berührten Eltern versuchen ihn wegzulocken. Aber HAHA dann komme ich und winke und grinse und mache anderen KinderUnsinn und dann können die Eltern lange versuchen ihre Kinder in Schach zu halten. Wenn sie sie schon in meine comfort-zone mitnehmen, dann sollten sie mir auch als Bespaßung zur Verfügung stehen.

Aber: Keine Sorge, spätestens wenn man Mittwoch-Morgen die Simon-Dach-Straße runtergondelt, wenn alle Eltern arbeiten oder dergleichen Dinge tun, dann sind sie alle wieder da und zeichnen das wahre Bild Friedrichshains: Die Arbeitslosen, Studenten, „Künstler“ und die, die „was mit Medien machen“ (bzw. all of the above).  – Und ihre Hunde. Aber da überleg ich mir auch noch was.

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