Ich bin ja nun recht neu in der Welt der umsonst-Konzerte, bzw. eigentlich habe ich da bisher nur einige Male durch die Tür geschaut und daher so gesehen keinerlei statistisch auswertbare Grundlagen für meine folgenden Anmerkungen, aber vielleicht ist es wie so oft genau diese Distanz, die es mir möglich macht… blabla. Kommen wir zur Sache.

Viele meiner Freunde und Bekannten sind ja irgendwie so in dieser Musik-Management-Platten-Konzerte-Szene – ich sag mal beschäftigt. Und die können sich dann gar nicht wehren und müssen ständig an irgendwelche Events und Konzerten gehen. Ohne dafür bezahlen zu dürfen. Hartes Schicksal. Den meisten Menschen geht’s da ja aber Gottseidank anders. Achtung: Hier spricht nicht der Neid aus mir!

Manchmal gibt’s in dieser schönen Stadt, da sie ja nun mal ist, was sie ist (Hauptstadt), die Möglichkeit für den ganz normalen Pöbel, das Fußvolk der Unterhaltungsindustrie, sich ähnlich privilegiert zu fühlen. Dann und wann kommt es nämlich großen Unternehmen in den Sinn, dass sie auch mal bei ebendieser sozialen Gruppe landen wollen und dann gibt’s umsonst-Konzerte für die breite Masse, bei denen man im Zweifel im Austausch für seine Daten bei obskuren Gewinnspielen ein Ticket oder einen Gästelistenplatz erhält. Voila. Für dich, für mich, für alle. Coca-Cola-Soundwave, T-Mobile-Street-Gigs, O2-Music-Flash etc pp. (Über die Angesehenheit eines solchen Gästelistenplatzes unter den wahren Gästelistenzugriffhabenden möchte ich mich an dieser Stelle nicht auslassen, dem mündigen Leser sollte sich dies von selbst erschließen.)

Am Samstag war’s dann soweit, die glücklichen 2000 (geschätzt), denen es gelungen war das wahnsinnig schwierige Gewinnspiel von Beck’s zu gewinnen, strömten zur Beck’s-Music-Experience (geil, auf was für Namen die da immer kommen, oder?) mit Phoenix. Darunter auch der Ich. Mir war allerdings erst kurz zuvor klar geworden, dass es sich tatsächlich um ein Gewinnspiel handelte, denn als ich meine Daten abgab (Name, Alter, Adresse, Email, Schuhgröße, Augenfarbe, Lieblingsessen – wer will noch mal, wer hat noch nicht?) hatte ich Sekunden später meine Gewinnbestätigung. War aber dann scheinbar für Andere doch schwerer da ran zu kommen. Entsprechend euphorisiert hätte man sich die Meute vorgestellt. Aber – es waren ja immer noch Leute, die kamen, um Phoenix zu sehen. Entsprechend das Klientel. Ich sag’s mal so: Hipster-Hitler hätte seine Freude gehabt…

Und obwohl das Bier (Einschub: Vier Bier bitte. – Beck’s? – Äh ja, gibt’s was anderes? – Ich meine, normales Beck’s? – Ja ne, is klar.) günstig, und der gemeine Indie-Nerd in einem ihm wohl gesonnenen Umfeld mit Menschen seinesgleichen war, Stimmung kam irgendwie nicht so recht auf. Is’ nämlich furchtbar uncool in irgendeiner Form auf Musik zu reagieren.

Ich, die ich da offensichtlich was falsch verstanden hatte, dachte yeah Konzert, yeah umsonst, das wird ein lustiger Abend. Die Anderen, die viel klüger waren als ich, hatten aber verstanden: Wenn ein kapitalistischer Ausbeuter-Konzern ein Konzert mit sich selbst verkaufenden Bands veranstaltet, nur sein eigenes Bier verkauft und da außerdem noch 2000 andere Menschen sind, dann darf man da keinen Spaß haben. Dann ist es die verdammte Pflicht eines jeden Einzelnen hin zu gehen und 4 Stunden lang rumzustehen und wehe man bewegt sich. Mein Fehler. Ich muss noch viel lernen.

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One Response to “Wenn’s umsonst ist, tanze ich auch nicht!”

  1. Ich gehöre auch zum doofen Teil der Bevölkerung, der immer wieder Geld für derlei Veranstaltungen ausgibt und dann auch noch Spaß hat. Aber bei Schwanensee darfst du leider auch nicht tanzen.

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