Wie schon Tolstoi sagte: Alle glücklichen Blogger gleichen einander, jeder unglückliche Blogger ist auf seine eigene Weise unglücklich. Was soll das? Nein, dies ist kein digitaler Hilfeschrei, ihr könnt die Telefonhörer wieder aus der Hand legen, mir geht’s gut. Aber wenn’s nichts zum Aufregen gibt, was soll ich dann schreiben? Trägheit has a hold on me.

– Ok, ich kokettiere, es gab Tonnen von Aufregern, schließlich lebe ich in der Stadt des überraschenden Wintereinbruchs und der aufgeregten Weihnachtstouristen… Trotzdem, das alte Phänomen, wenn man erstmal im Bett liegt, steht man nicht auf, nur weils kalt wird, nein, man kriecht in Fötusstellung in sich zusammen, die Kälte wird schon vergehen. Sie muss. Und jetzt halt mit Schreiben das Ganze.

Dieser Zustand muss überwunden werden und daher werde ich nun vom gestrigen Abend berichten. In einem mutigen Schritt werde ich heute einmal nicht (nur) die Eskapaden anderer schildern, sondern mich einfach mal selbst mit in die Geschichte bringen. Liebe Anna, dies ist ein Anfang!

So, also, was war los? Erstmal feierte Simone Geburtstag und weder Wind noch Wetter konnten mich von meinem Weg in die Rigaerstraße (ach ja, richtig, das ist um die Ecke) abhalten. Dieser Tagesordnungspunkt beinhaltete neben Bier und Chips auch Kickern und Schneeballschlachten. Krasser Typ, der ich bin, ging’s dann aber auch noch weiter, obwohl schon zwölf Uhr war, jaha. Auf in den Magnet – bloß nicht zu weit weg, immer schön in der Homezone bleiben!

Hier kommt jetzt endlich die längst überfällige Geschichte vom Hemli, Achtung Einschub: Vor ein paar Wochen, es könnte fast noch Oktober gewesen sein, war meine Oma zu Besuch in Berlin. Derlei Reisen bleiben in der Dorfgesellschaft natürlich nicht unbemerkt und so ergab es sich, dass eines Tages in der Wassergymnastik (!) eine entfernte Bekannte auf meine Oma zukam (schwamm vermutlich) und sie um einen Gefallen bat. Sie möge doch bitte ihrem Sohn, der ebenfalls in Berlin lebe, ein Hemd mitbringen, das dieser zuhause vergessen habe, aber unbedingt brauche. Ich, die ich mit ihm befreundet sei und zudem um die Ecke lebe, könne ihm dieses dann bringen. – Merkt ihr was?

Gesagt getan, Oma schnappte sich das Hemd (den Ovomaltine-Brotaufstrich konnte sie abwehren) und reiste ab. Unterdessen war Kunde über dem mysteriösen Botendienst zu mir gelangt, mit den Worten meiner Tante: Die im Dorf spinnen mal wieder! Der von ihr genannte Nachname des angeblich mit mir befreundeten Sohnes war mir völlig unbekannt. Aber, ich lasse mich auch ab und an mal gerne überraschen (und wenn ich manchmal gerne sage meine ich selten semigerne!) und so harrte ich der Dinge, die da kommen mochten.Die Grenzach-Wyhlen-Expat-Gemeinde ist groß, der Sohn würde sich schon finden lassen.

Auftritt Oma. Des Rätsels Lösung: Der genannte Name war – NATÜRLICH – der Mädchenname der Mutter. Stupid me, dass ich da nicht durchgesehen habe. Ich kürze ab, Tims Hemd aka das Hemli fand seinen Weg zu mir. Und lag da bis gestern Abend. Ich sags mal so: „Das Postwesen ist die Gesamtheit der Beförderung und Verteilung schriftlicher Nachrichten, wie es sich in den letzten 500 Jahren herausgebildet hat.“ Da steht nichts von den Mitteln der Beförderung und ihrer jeweiligen Praktikabilität. Nächste Woche fahren wir alle wieder nach Hause, mal sehen, ob das Hemli mit kommt.

Kommen wir zurück zum Hauptstrang der Erzählung (ihr seht schon, großes Vorbild Tolstoi heute). Gestern Abend war es mal wieder an der Zeit sich alt zu fühlen. Ja, das main topic dieses blogs wird generell und überhaupt zu wenig angeschnitten. Es lag nicht am Publikum, oder nur bedingt, das war altersmäßig voll in Ordnung. Es lag mal wieder an der persönlichen Kondition. Gefühltes eigenes Idealalter 35 sag ich nur. Das legt mir um drei Uhr morgens nahe den Abend einen Abend sein zu lassen und nach Hause zu gehen. Tatsächliches Alter 24, schreit dann ganz laut NEIN ICH WILL NOCH NICHT GEHEN, und unterliegt in mindestens der Hälfte aller Fälle, vermutlich öfter. Aber, 24 is a bitch, es nagt und piesackt und verdirbt mir alles, indem es die ganze Zeit darauf hinweist, dass wir doch eigentlich sooo müde noch gar nicht sind, und immerhin ist Wochenende und manche Menschen kommen jetzt erst und die Party geht doch eigentlich grade erst los und immerhin ist das Berlin und gefeiert wird bis morgens 10.

Und all die kleinen Welpen und Prinzessinnen, die in allerbester Laune und blendender Erscheinung tanzen als gäbe es kein Morgen, die sehen jetzt, da es den Morgen wohl gibt, zwar nicht, dass zum ersten Mal seit Wochen die Sonne scheint und die Schneeberge glitzern lässt, aber dafür sind sie coole Partymenschen. HALT! Sind wir über derlei Gedanken nicht längst hinweg? Hatten wir nicht akzeptiert, dass dieses „cool“ für uns kein anstrebenswerter Zustand mehr ist? Ouh nou, unterbewusst scheinbar auch nach all den Jahren noch nicht. Klasse. Freitagabendliche Selbstzweifel. Aber, 24 ist zwar „näher an der 30 als an der 13“, Frühstück um eins ist trotzdem durchaus noch ok.

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