Als ich gestern in der strahlend blauen Wintersonne (unglaublich, daher erwähnenswert) am Schlesischen Tor stand, hatte ich nicht nur eine plötzliche Anwandlung von Zuneigung zu dieser manchmal-halbschönen Stadt, sondern auch einen fröhlichen Flashback an meine sportliche Jugend.

Früher sahen meine Samstage meistens so aus: Früh aufstehen, viel frühstücken, Sportsachen packen, durch die halbe Schweiz fahren, Basketball spielen. (Wer schafft es dreimal früh in einen sinnvollen Satz zu packen?) Viele strahlendblaue Nachmittage habe ich daher in weniger frühlingshafter (hehe) Atmosphäre in zwar hellen und oft auch blauen, aber irgendwie eben drinnigen Hallen verbracht. Und es war (Achtung: glorifizierender Rückblick) eigentlich immer ein großer Spaß. Stichwort Hassgegner.

Wieso diese Reminiszenz? Nun, gestern bin ich wieder in die samstagnachmittägliche Welt der Turnhallen und Umkleidekabinen eingetaucht. Es fand das erste Hallenfußballturnier des Instituts für Geschichtswissenschaften der HU Berlin aka der Droysen-Cup statt.

Da uns die Mensa die ideale Innenhof-Spielfläche im Hauptgebäude geklaut hat und weil das Institut außerdem umgezogen ist, musste das sommerliche Großereignis dieses Jahr ausfallen und wurde jetzt nachgeholt. In Adlershof!!! Das muss man sich mal vorstellen! Da muss man erstmal hinkommen! Vermutlich waren mehr als 80% der gestern Nachmittag Anwesenden zuvor noch niemals in Adlershof gewesen. Ich kann da stellvertretend für meine Mitfahrer sprechen, die voller Verwunderung auf die industrielle Schönheit und fast schon amerikanische Weite der „Stadt für Wissenschaft, Wirtschaft und Medien“ starrten. Im Gegensatz zu früher, als man sich einfach auf Nicole verlassen konnte, die uns im Bus durch die Gegend kutschierte und den Weg schon wissen würde, mussten wir uns jetzt selbst in den Unbekannten Osten, oder wie Jan meinte Westsibirien schlagen. Und im Gegensatz zu früher gab es mehr als die zwei Autobahnen, die durch die Schweiz führen und einen am Ende immer irgendwie dahin brachten, wo man hinwollte. (Btw. wie man in meiner Familie gerne und oft kolportiert: Durch die Schweiz braucht man immer 3 Stunden. Egal wohin, in spätestens 3 Stunden ist mal einmal durch.)

Dank der Hilfe zweier iPhones und eines Falk-Plans haben wir die Halle gefunden, und alle Anderen auch. Alle – bis auf den Hallenwart. Zitat: Wie viele Historiker benötigt man um in eine Sporthalle zu kommen? Kurze Schilderung der Lage: Der zuständige Historiker hatte zwar alle potenziellen Teilnehmer und den Organisator der Veranstaltung mit allen Informationen ausgestattet um zur Halle zu kommen, aber nicht arrangiert, dass diese geöffnet wurde. Es war Samstag Nachmittag und Adlershof, soll heißen weit und breit niemand der sich zuständig fühlte. Alle zückten hektisch ihre Handys und begannen in der Weltgeschichte (sorry, musste) rumzutelefonieren oder im Internet Nummern zu suchen um rumzutelefonieren. Nichts geschah. Die versammelte sportliche Elite des IfGs stand stumm und schweigend und harrte der Dinge, die da kommen mochten. Irgendwann holte Frank eine Riesenladung Bretzel aus dem Kofferraum und besänftigte die zu Herdenverhalten übergegangenen Wissenschaftler. Ich kürze ab: Irgendwann fuhr eine Abordnung vor zum Schrödinger Zentrum, dem Herz und Hirn dieser pulsierenden „Stadt“, brachte einen Wachmann mit und wir konnten in die Halle. Yay!

Leider musste dann ganz Vieles ganz Schnell gehen, denn wir hatten ja keine Zeit, um 18.30 Uhr kam ja schon der Nachtdienst (!) um wieder zuzuschließen. Und so wurden die sowieso schon kurzen Spiele (7 Minuten) auf sage und schreibe 5 Minuten gekürzt. Ich sag mal so: In 5 Minuten rennt manch einer grade mal einmal die Halle hoch und runter… Ohhh fies oh gemein. Ja, und? Meine Mannschaft ist auch ungefähr letzter geworden, aus mir spricht die Missgunst des Verlierers. Lustig war’s trotzdem. Da waren sie plötzlich alle aus ihren Löchern (Büros) gekrochen, hatten sich in kurze Hosen und bunte Tshirts geworfen, ernste Blicke aufgesetzt und wollten nun also Fußball spielen. Wie soll ich das neutral umschreiben? Sagen wir einfach Historiker sind eher Drinnis. Jetzt nicht alle, okok, ich zum Beispiel bin ja von der Muttermilch an in Sporthallen sozialisiert worden. Und manche Anderen haben auch ne gute Figur gemacht, ok, ich will mal nicht so sein. Fast so gut wie ich.

Anwesend waren natürlich – abgedroschene Phrase – die üblichen Verdächtigen: Das Professoren-Team. Die Fachschaft. Die studieren-die-eigentlich-IMMERNnoch-oder-kommen-die-nur-wenn-Fußball-ist Herren vom fröhlichen Prekariat. Und auch wenn Frank the… Organisator im Vorfeld drohte keine Lehrstuhlmannschaften zuzulassen, sondern irgendwelche anderen Organisationsformen kreieren zu wollen (weiterhin hä?): Die legendären roten Teufel von der Spielvereinigung „Der Feind ist überball“ (SpVgg DFiÜ). Und noch viele andere fröhliche Mannschaften. „Alle Anwesenden haben sich stets bemüht, dem Geiste des Spiels entsprechend zu agieren.“

Es war ein großes Gekicke und Gehacke, ein Gerufe und Gefluche und nachdem mit zunehmendem Ausscheiden der Favoriten (SpVgg DFiÜ) die Bundesligaergebnisse gegenüber den sich in der Halle abspielenden Dramen an Wichtigkeit gewannen, kam es schlussendlich, wie es kommen musste, es gewannen die Besten, alle tranken Bier und gingen zufrieden nach Hause.

Und so war das früher immer, als ich noch so wirklich echt im Verein und mit Ambitionen Basketball gespielt habe. Ohne Fußball. Ohne Bier. Und ohne Bundesligaergebnisse – war ja in der Schweiz.

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