It’s just another day for you and me in paradise.

Zwar wird es immer selbstverständlicher kurz vor sieben aus dem Bett zu kriechen (und das will einiges heißen, ihr wisst, ich bin alles andere als ein Morgenmensch), dafür schwieriger dem Tag mit positiven Gefühlen entgegen zu sehen.

Anarchie greift um sich: Ich brauche mehr Freizeit, ich will noch ein paar Kirchen besichtigen! Lass uns die Gruppenarbeit heute Abend machen. Und dabei Bier trinken! Ich gehe nicht zum Vortrag, ich geh’ ins Museum! – Was halt so passiert, wenn Historiker rebellisch werden.

Aber hey, es sind die kleinen Dinge, an denen sich die Stimmung hier von Tag zu Tag knapp unterm Siedepunkt erhält. Eine ungestörte Internet-Verbindung. 5 Minuten früher an der Uni anzukommen und noch Zeit für einen Kaffee zu haben. Den Weg alleine mit Bus und Bahn zurück zum Hotel zu finden.

Zur Veranschaulichung der Herausforderung:

Und heute ist 1. März, yeeha! Bereits seit Tagen waren unsere bulgarischen Kollegen völlig aus dem Häuschen, dass es bald so weit sein würde. Und endlich ist es so weit. Es ist Martenitsa! Partypartyparty! Ja Freunde, ihr fragt euch zurecht, ob ich jetzt schon völlig durchdrehe. Und ich sage euch, der Verdacht liegt nur allzu nahe.

Indizien, die dafür sprechen: Die vergangenen vier Abende habe ich – in bester Gesellschaft, da kannste nüscht sagen – hauptsächlich auf dem heimischen Sofa verbracht. „Mensch heute Abend, da könnten wir doch mal was machen.“ – „Auja, lass uns nen Film schauen!“ – „Super Idee, da kann ich schön einschlafen.“ WHAT?! Ja und dann denkt euch mal, gestern Abend haben die beiden Österreicherinnen und ich es dann so richtig krachen lassen und 1,5h lang Tee (!) an der Bar (!) in der Lobby (!) getrunken. Verrückte Hühner. Da erhalten die kritischen und neidischen Stimmen, die im Vorfeld von einem Urlaubsaufenthalt sprachen, plötzlich eine völlig andere Bedeutung.

In diesem Fall ist der Hinweis auf eingeschränktes und an Wahnsinn grenzendes Wahrnehmungsvermögen jedoch völlig unberechtigt. Martenitsa – von mir erstmal als eine Art bulgarischer Valentinstag eingeordnet – ist sozusagen ein Fest der Hoffnung. ES WIRD FRÜHLING! Freude, Freude, der Winter ist bald vorbei. In unseren nördlichen Breiten mag es noch 3-5 Monate dauern, bis es warm und sonnig wird, aber in Bulgarien ist der 1. März der Dreh- und Angelpunkt. Joyful, joyful.

Hier eine idealisierte Darstellung des Frühlings, Grenzach-Wyhlen 2009:

Und dies der momentane Zustand, Budapest 2011:

(Gesponsert wird dieser Baum von Bayer.)

Ich bin ja ein sehr großer Fan von Frühling, von Sommer, von warm und sonnig, eigentlich von allem, was nichts mit Herbst und Winter zu tun hat. Martenitsa ist also quasi mein neuer dritter Lieblingsfeiertag (nach Weihnachten und Geburtstag selbstverständlich). Ich möchte euch daher die Martenitsa-Tradition nahe legen:

Am 1. März verteilt man rot-weiß-gestreifte Armbänder an Freunde und Bekannte, die dann den ganzen März über getragen werden, bis man den Frühling in Gestalt eines Storchs oder eines blühenden Baumes sieht. (Alles nachzulesen unter Wikipedia. Wo auch sonst. Kann mir keiner vorwerfen meine Quellen nicht deutlich gemacht zu haben, wie ein gewisser Rücktrittskandidat.) Aber Obacht: Rechtes Handgelenk = Verheiratet. Linkes Handgelenk = Nicht verheiratet. Das ganze hat also eine unzählige Reihe an Bedeutungen.

Heute morgen, als wir beim Frühstück saßen, gingen die Meinungen noch sehr auseinander was die Bedeutung der an uns ausgegebenen Armbänder anging. Irgendwie hatte jeder eine andere Geschichte gehört, obwohl wir nur zwei bulgarische Teilnehmer haben. Hm. Ko-misch. Es hat irgendwas mit einer symbolisch via Faden übermittelten Nachricht zu tun.

ICH hatte verstanden, dass die Bänder den Schnüren einer Urkunde nachempfunden wurden. Bisschen langweilige Variante, ok, ich seh’s ein. Spannendere Vorschläge beinhalteten einen verwundeten Bauern oder alternativ eine verwundete Taube, die einer Frau Nachricht von ihrem Mann im Felde bringen sollten. In dem Fall ist der rote Teil natürlich Blut. Viel spannender. Vor allem der Einsatz der Taube!

Was am Ende klar war: Martenitsa-Bänder sind Status-Symbole! Je mehr, je cooler!

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One Response to “Hier komm, ein Tee geht noch.”

  1. …bring bitte Martinista-Bänder mit, können wir hier in Berlin gut gebrauchen: Inzwischen zwar Sonne, aber nach wie vor -10 Grad nachts. Waren am WE noch auf zugefrorenen Seeen Schlittschuhlaufen! Gewisse südländische Geburtstagsleute mögen es ja nicht glauben.
    Bei dem Rücktrittskandidaten kannste Kandidat weglassen, er ist zurückgetreten!

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