Die Heimaterde hat uns wieder.

(Morgens 8 Uhr in Deutschland.)

Nach einer weiteren denkwürdigen Nacht im Schlafwagen sind wir heute Morgen wieder in Berlin eingetroffen. Zwei Wochen ey – wie schnell so was gehen kann. Und dann doch auch wieder eine Ewigkeit scheint.

Ich sage denkwürdig, weil es einfach wieder eine an Absurditäten reiche Reise war. Nachdem wir ja bereits auf der Hinfahrt alles in unsere Macht stehende getan hatten, um einen vierten Mitreisenden zu umgehen, stand der Plan für die Rückfahrt fest: Einen Vierten wird es nicht geben!

Unsere Waffen: Essen, Bier, Musik und unsere neuen Partyhüte! Ich präsentiere: Die Todes-Gurken:

Der Gegner: Der bald liebevoll „Nazi-Führer“ genannte Schlafwagenschaffner.

Ihr ahnt schon, wie die Geschichte ausgeht? Richtig, wir zogen den Kürzeren. Der freundliche Mann hatte uns den Vorschlag gemacht den vierten Platz doch einfach käuflich zu erwerben – KORRUPTION – und nachdem wir dies bestimmt ablehnten, hatten wir einen neuen Freund. Und ab Bratislava eine neue Mitreisende. Ich schätze mal für sie war’s schlimmer. Wir waren zu dem Zeitpunkt bereits wieder so in unserer eigenen kleinen Comfort-Zone gefangen, dass uns selbst diese marginale Unterbrechung nicht viel anhaben konnte. Zu sehr beschäftigten uns Fragen wie: „Wann werden wir Raffis letztes Auge auskratzen?“ und „Wer möchte noch eine Säure-Tomate?“. Nicht zu vergessen das schiere Phänomen wie Maxi.C seine Sprachfähigkeit durch die boshaften Hirnwürmer verlor. Ich schweife ab.

Der Schlafwagenschaffner hatte dann noch zwei große Auftritte. Einmal, als er uns um elf Uhr schlafen schickte und einmal als er uns um acht Uhr wieder weckte. SELBSTBESTIMMUNG!!! Freunde, echt. Ich habe mit einer für meine Verhältnisse erstaunlichen Gleichmut die ständige Bevormundung der letzten zwei Wochen über mich ergehen lassen. Wirklich. Aber wenn dann ein solcher Domestike wie dieser Nazi-Führer meint mich, die ich (also in dem Fall die EU) für die Dienstleistung der Reise in diesem Schlafwagen BEZAHLE, erziehen zu müssen, dann platzt mir der Kragen. Zum Kotzen ist das!

Aber außer patzigen Antworten und wüsten (nachträglichen) Beschimpfungen haben solche Menschen von mir ja meist nicht viel zu befürchten. Ich bin einfach zu lieb. Anders mein anonym bleibender Mitreisender, der in einem Anfall von Eifer das Betttuch zerriss. Hehe. Oder um es mit den Worten unsere neuen französischen Bekannten Thomas zu sagen: All these people that work in the post offices in France, they have diseases and they drink. You have to yell at them to make them feel ashamed!

Natürlich gebt ihr, liebe Leser, mit völliger Berechtigung zu bedenken, dass ich die letzten Tage säumig war und ihr werft mir ein „erkläre dich“ entgegen und fordert, dass ich diese sinnlosen Schlafwagengeschichten beiseite lasse und endlich zum wahren Kern der letzten Tage komme. Wohl wahr. ABER WENN MICH DER NAZI-FÜHRER EBEN SO GENERVT HAT!!!!11eins

Es folgt nun ein kurzer Rückblick auf die letzten Tage Budapest und ein abschließendes Fazit. Wie berichtet hatte sich unsere Gruppe zur Wochenmitte aufgrund der absurden Idee einer Konferenz-in-der-Konferenz mengenmäßig verdoppelt. Leider blieben uns die Feinheiten der polnischen und französischen Neuankömmlinge größtenteils verborgen, ich möchte soweit gehen zu sagen, dass ich mit wenigen Ausnahmen auch keine Namen nennen könnte. Bemerkenswert allein die seltsame Angewohnheit der Osteuropäer ihren Söhnen Namen zu geben, die wie Mädchennamen klingen: Nicola (Bulgarien), Kamen (Bulgarien), Kamil (Polen).

Ich muss erneut für meine Ignoranz um Verständnis bitten, immerhin hatte ich ja schon die vielen anderen Menschen kennen gelernt und da waren jetzt nach 10 Tagen einfach keine Kapazitäten mehr. Aber nett waren sie.

Nachdem das Wochenende mit der wilden Party in Tommy’s Snack Bar ja schon am Mittwoch begonnen hatte, reihten sich die rauschenden Feste nur noch so aneinander. Neben dem Szimpla (Oh man, das gibts auch in Berlin!), der budapester Version des Tacheles, haben wir eine weitere Perle des Nachtlebens kennen gelernt: Das ehemalige Desperados, jetzt irgendwie anders benannt. Kurzer Exkurs: Ich war ja bereits im Dezember 2009 im Rahmen einer ähnlichen Veranstaltung in Budapest. Am letzten Abend sind wir damals in einen eher ranzigen aber vollen Club gegangen, in dem Chart-Musik lief, sich alle höllisch betranken und am Ende den größten Spaß hatten. Diese Erfahrung muss den Organisatoren den Eindruck vermittelt haben, es handle sich bei dem besuchten Club um einen Ort, an den man gerne geht… NI-ICHT.

Anscheinend hat im letzten Jahr eine große Razzia stattgefunden, der Club musste schließen und existiert jetzt in neuer Form – sprich als eine Art Jugendclub – weiter. Hmhm. Ich kürze ab: Es wurde dann ganz lustig, denn Spaß ist bekanntermaßen, was du draus machst. Und wir können jetzt mit Fug und Recht behaupten, dass uns in der Ecke Astoria kein HotSpot des budapester Nachtlebens entgangen ist!

Außerdem habe ich neue Skills auf der Taxifahrer-Ebene erworben. Nach dem gelungenen Workshop in Moskau letztes Jahr, habe ich meine diesbezüglichen Fähigkeiten weiter ausgebaut und decke jetzt auch Ungarn ab. Obwohl mich Tamás, einer unserer ungarischen Gastgeber sehr bestimmt darauf hinwies, wie hirnverbrannt und bescheuert es sei in Budapest, einer Stadt mit hervorragendem Nachtnetz, ein Taxi zu nehmen. Hallo? Um drei Uhr morgens bei minus 5°C? Da steh’ ich gerne mal 2 Stunden in der Kälte und warte auf einen ominösen Nachtbus bei dem ich sogar noch umsteigen muss, wenn das Taxi umgerechnet pro Person 2 Euro kostet. Also, wer mit mir ein Taxi anhält zahlt die Hälfte – ob ich mir das als weitere Qualifikation in den Lebenslauf schreiben kann?

Freitag und Samstag haben wir uns noch ein bisschen dem schnöden Touristen-Dasein hingegeben. Lustwandeln durch die Altstadt. Salami kaufen in der Markthalle. Macarons essen bei Gerbeaud. Was man halt so macht.

(Hmmmm. Nicht mein Foto.)

Pünktlich zum Wochenende kam die Sonne wieder und was liegt da näher, als baden zu gehen? Und so kam es, dass ich an einem Tag beide Dinge, die ich in diesen zwei Wochen zu tun beabsichtigte, tat: Langós essen und ins Széchenyi Bad gehen. Oh yeah. Stundenlanges Gammeln in 38° C warmem Heilwasser. Bei strahlendem Sonnenschein. Ein Traum.

Dies ist auch die Stelle an der die oben angesprochenen Partyhüte ins Spiel kommen. Einer der geschätzten Konferenzteilnehmer hatte von einer Freundin, die in Budapest lebt (…) den Tipp bekommen, sich vor dem Besuch des Bades eine Mütze zu besorgen. Man tue dies. Denn die Luft oberhalb der Badewanne ist ja logischerweise lufttemperaturkalt. Zwar ging besagter Kollege schlussendlich nicht selbst ins Bad, doch die Saat war gelegt und wir ließen es uns nicht nehmen, uns den vermeintlichen Landessitten anzupassen. Getreu dem Motto: Nach diesen zwei Wochen sollen uns alle kennen und fürchten.

Es kam natürlich wie es kommen musste: Niemand außer uns trug eine warme Mütze (Badekappen ausgenommen) und wir waren mal wieder die Attraktion der Stunde. – Mission accomplished.

Kommen wir zum Fazit: Budapest ist unter allen Umständen und immer eine Reise wert! So eine wunderschöne Stadt. Sogar im Winter!!! (Ja Berlin mein Freund, da kannst du dir mal ne Scheibe von abschneiden!)

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One Response to “Heute ist Sonntag. Berichte gerne auch persönlich.”

  1. Ja nu endlich, Langós und das geliebte Bad 🙂 Das wollt ich lesen.
    Macarons aka Luxemburgerli von Sprüngli, falls es dich mal in der Heimat gelüstet, Scha.

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