Spätestens als die Frau vom Bauamt sagte, dass es eigentlich sowieso keine Diskussion um die der Schule zustehende Quadratmeterzahl geben könne, war der Drops gelutscht, wie man so schön sagt. Die war überhaupt eh von der FDP, kann ja gar nicht anders sein. Und wenn sie’s nicht war, dann trotzdem, weil FDP-Bashing ja grade en vogue ist und man da wenig falsch machen kann.

Was war geschehen?

Als ich Dienstag, oder lassen wir es Montag Abend sein, von irgendwo her nach Hause kam, war der gesamte Hauseingang sowie alle weiteren Verbindungstüren plakatiert worden. Ein mir unbekannter Sergej rief alle Hausbewohner auf „da unbedingt hinzugehen“, es ginge schließlich darum, ob wir unseren Garten behalten dürften.

Irgendwie kam mir das bekannt vor und um mich später intensiver damit zu beschäftigen, habe ich ein Foto der Ankündigung/Einladung gemacht. Wie man sehen kann, hat das nicht viel gebracht.

Also hab ich den Zettel eben am nächsten Tag noch mal genauer in Augenschein genommen und siehe da, ein Anliegen von höchster Brisanz!

Jetzt isses so, dass hinter unserem Haus ein leeres Grundstück ist. (Wie ich später erfahren sollte, war das nicht immer so, vielmehr stand dort einst ein „Schuppen“ in dem die zuständige Behörde sogenannte „Westpost“ kontrollierte. Der Schuppen und das dazugehörige Postamt sind aber wie die Behörde und alles drumrum Geschichte und dieser Teil des ehemaligen Post-Geländes liegt seit damals brach. So, weiter im Text.) Auf diesem Grundstück haben die Hausbewohner, die hier teilweise schon Jahrzehnte (Selbstaussage) leben, einen Garten eingerichtet. Das is echt ganz hübsch, wenn dann mal wieder alles grün ist, denke ich. Bisher sehe ich den Vorteil in diesem leeren Grundstück vor allem in dem Durchgangsweg, der mir morgens auf dem Weg zur Ubahn 3 Minuten spart.

Auf der anderen Seite grenzt eine Schule an den Garten und, jetzt kommen wir zum Knackpunkt, da soll jetzt eine Rundumerneuerung vorgenommen werden. Inklusive 100m-Laufbahn für die lieben Kleinen. Und dafür soll der Garten weichen. Das Ganze zieht sich schon ziemlich hin, aber langer Rede kurzer Sinn, es sollte nach einem Kompromiss gesucht werden, der sowohl im Interesse der Schule ist, als auch die Anwohner mit einbezieht. Stichwort Bürgergarten.

Und dafür war man gestern Abend dann in der Bezirksbibliothek nebenan zusammen gekommen. Und mittendrin der Ich.

Warum denn um Himmelswillen fragt ihr? Ja in erster Linie natürlich weil ich ein interessierter Anwohner bin. Versteht sich. Und zu Unterhaltungszwecken. Und dann natürlich weil Wissen Macht ist.

Auftritt Sandra. Auftritt Frau mit der gepunkteten Bluse. Guten Abend, Sie sind? Ich wohne nebenan. Aaaahja. Alles klar, ich setze mich dann mal da an den Rand, ich bin teilnehmender Beobachter.

Dann mussten erstmal alle (ca. 15 Personen, verteilt auf zwei Lager) auf den werten Herrn Bezirksbürgermeister warten. Mach dich rar, sei der Star. Schön den jetzt auch mal zu kennen. Ah ich sehe gerade der ist bei den Grünen. Hm, na den Eindruck hat er NICHT gemacht. Ob ich den wähle wird sich noch zeigen. Physiker. Na das sagt schon Alles.

Ich erspare euch jetzt eine Zusammenfassung der Debatte, das könnt ihr bei Twitter nachlesen (schamlose Selfpromotion). Ich fasse nur einige Highlights zusammen. Also eigentlich gab’s nur zwei. Also ich schildere kurz die beiden Highlights:

Der Stuttgart-21-Vergleich. Musste ja kommen. Das Argument der Initiative lautete in etwa, dass die Missachtung bürgerlichen Engagements und bürgerlicher Interessen S21-Charakter hätten. Das war am Anfang der über 2stündigen Veranstaltung (und ich dachte am Anfang noch ehrgeiziges Vorhaben uns hier 2 Stunden lang zu beschäftigen, daran erkennt man den Neuling in der Lokalpolitik). Gegen Ende, also zumindest kurz bevor ich gegangen bin, vielleicht diskutieren die ja immer noch, ging’s dann um das Fällen von Bäumen. Gewagter Vorstoß liebe Frau Grünflächenamt, das trägt auf jeden Fall nicht zur Entspannung der Lage bei. Ich habe schon die Wasserwerfer auffahren gesehen. Da muss man doch als Lokalpolitiker mittlerweile irgendwie sensibilisiert sein.

Gut also, das zweite Highlight war so ca. gegen 20.23 Uhr, als Frau Bauamt (s.o.) dann kategorisch die Diskussion zu beenden versuchte, indem sie jeglichen Kompromiss ausschloss, denn die der Schule zustehenden Quadratmeter müssten ja nun mal in voller Höhe zugeteilt werden. Entrüstete Drohgebärden von der Initiative her haben ihr neoliberales Grinsen nur breiter werden lassen. Dann Einsatz Sandra. Hab ich einfach mal ne kluge Frage gestellt. Frau Punktenbluse fand das gut. Frau Grünflächenamt auch. Die Herren nicht so, was man daran erkennen konnten, dass sie mich einfach übergangen haben. Hm. Ich bin ja, was mir in meiner Familie schon den ein oder anderen kritischen Blick eingehandelt hat, nicht so eine Ultrafeministin, die an jeder Ecke weibliche Unterdrückung wittert und so, aber hier war’s schon mal wieder grenzwertig. Ich sag’s nur.

So, ich soll ja nicht mehr so lange Sachen schreiben, die liest dann nur wieder keiner. Dies war also mein Ausflug in die Lokalpolitik. Reicht dann auch erstmal wieder. (Den Verdacht, ich hätte mich nur so lange dort aufgehalten um a) mich über engagierte Menschen lustig zu machen, um b) Stoff für den vor sich hin dümpelten Blog zu finden oder um c) der zuhause auf mich wartenden Masterarbeit zu entgehen, weise ich entschieden von mir!)

Update: Hier jetzt mal der pseudo-like-button. Der echte… nunja, lange Geschichte. Wichtig: Wenn das grüne Fenster kommt, nochmal den Like-Button drücken, sonst klappts nicht! Yeah!

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3 Responses to “Eine Meldung und ihre Geschichte: Stuttgart liegt in Friedrichshain”

  1. jo, wie immer schön, pack doch mal nen facebook like button auf deinen blog

    http://developers.facebook.com/docs/reference/plugins/like/

  2. Wie großartig. Ich stell mir die illegalen Besetzer des Grundstückes vor. Schon interessant. Vielleicht sollten die Lokalpolitiker die Tacheles-Lösung erwägen. Gesinnung ist ja wohl eine Frage des Preises.

  3. Wenn du zu einer Veranstaltung gehen willst, um dich über Menschen lustig zu machen, dann solltest du zu einem Vortragsabend in der Topographie des Terrors. Obwohl…lustig machen ist der falsche Begriff. Wenn du dich mal entsetzen willst über was, dann geh da hin.

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