Am vergangenen Wochenende war ich in Braunschweig. Braunschweig, Stadt die Adolf Hitler eingebürgert hat. Braunschweig, Heimat von Hannes S.. Perle des Nordens. Ok das letzte hab ich erfunden.

Wie schon im vergangenen Jahr habe ich im Vorfeld einer Veranstaltung, die sich babamixed nennt, eine Bande mir zu 90% Unbekannter gefunden, die gemeinsam an eben diesem Event teilnehmen wollte.

Und so fuhren wir denn frohen Mutes mit zwei neuen Dacia Logans vom Hässlichen Entlein (die werden später noch wichtig, daher die genaue Benennung) westwärts, westwärts. Konnte so schwer ja nicht sein. Den Weg zur Autobahn hatten wir uns im Internet angeschaut, dann immer geradeaus und irgendwann würde eine Abfahrt kommen. Was wir nicht bedachten: Was kommt dann?

Zitat: Leute – Ihr habt doch alle Navi!

Aufgrund dieser partiellen Unvorbereitetheit erhielt ich Freitag Abend, am Ende eines langen Tages die fröhliche Mitteilung von O2, man werde mir nun für den Rest des Monats die Surfgeschwindigkeit reduzieren. Die Dauernutzung der Maps-App, gefährlich, gefährlich. Das Schlimmste? Sich in Braunschweig zu verfahren ist so einfach, da hilft ein noch so irres Starren auf den blauen, sich bewegenden Punkt auf dem iPhone auch nicht wirklich weiter. Ins Detail zu gehen könnte dazu führen, dass mir in Zukunft jegliche Orientierungsqualitäten abgesprochen werden, daher soll es bei der Feststellung bleiben, dass ich mich jetzt vermutlich als Fremdenführer für Braunschweig und Umgebung bewerben könnte. Vor allem das Kreuz Braunschweig-Süd kann ich jedem Ortsunkundigen empfehlen. Ich kenn da ein paar heiße Ecken. Been there, done that.

Das Turnier war wie so Turniere wohl immer sind: Anstrengend, ein Heidenspaß und völlig chaotisch. Das frühmorgendliche Aufstehen um 7 und der Spielbeginn um 9 (oder lassen wir’s auch mal 10 werden) haben ihren Teil dazu beigetragen. Als ich im Vorhinein gefragt wurde, wie das denn da so sei, da konnte ich nur von einem rapiden Verfall körperlicher und seelischer Kräfte berichten, was sich dann eindrucksvoll bestätigt hat.

Freitag sind alle noch echt gut drauf. Drei Spiele, ein Klacks. Dann Party. Samstag früh aufzustehen is echt hart, aber man wusste ja, dass es so kommen würde. Und Schlaf kann man ja in der Mittagspause nachholen. Dann Party. Am Sonntag dann kriechen zombieartige Lebewesen in Flipflops und Basketballshorts über die Wiese und suchen ihre Habseligkeiten zusammen. Manch einer schafft’s dann auch nicht mehr in die Halle.

Dank der festivalmäßigen Zeltsituation haben wir uns Freitagabend mit einer Bande von Frankfurtern angefreundet. Wir sind uns besonders über den Erfahrungsaustausch zum Thema “iPhone als Navi” näher gekommen. Technik, die begeistert. Den Rest der Nacht haben sie und dann ein Ständchen nach dem anderen gebracht. Und ihnen den Helga-Witz beizubringen war vielleicht auch nicht die alleridealste Idee… Aber, so kenne ich jetzt hessische Lokalklassiker wie  „Wir sind aus Frankfurt, wir sind aus Hessen, unsere Scheiße könnt ihr fressen“ oder das zu einiger Diskussion anregende „Randale, Bambule, Frankfurter Schule“. (Der Verweis auf Horkheimer und Adorno lässt auf die Frankfurter Hausbesetzer schließen, aber wie kommen dann die Hooligans ins Spiel? Für Antworten bin ich dankbar. Klugscheißerpunkt.)

Auf dem Heimweg hatten wir dann, wie könnte es anders sein, wenn Sandra mit einem Auto unterwegs ist (der Ausflug nach Rostock neulich muss als löbliche Ausnahme gewertet werden), eine Panne. Dreieck Nuthetal. Das is gefühlte 5 Minuten außerhalb der Stadtgrenze, hätte also schlimmer kommen können. Na gut, Wikipedia verrät: “Westlich des Dreieckes stand bis zum Jahr 2004 die bei Autofahrern bekannte Stundeneiche, die angab, dass man sich eine Stunde vom Berliner Zentrum entfernt befand.”

Trotzdem. Dieses Gefühl, wenn das Auto plötzlich nicht mehr beschleunigt und langsam ausrollt, das wollte ich eigentlich nicht noch mal haben. Zu frisch ist die Erinnerung an die geschrottete Zylinderkopfdichtung. Ich kürze ab. Nach einigem Theater meinerseits (siehe psychische Belastung durch das zurückliegende Wochenende) ging am Ende alles gut und wir wurden mit einem Ersatzauto versehen. Weil das echt ziemlich knorke war, wie man so sagt,  und weil der Typ meinte wir müssten auch nicht auftanken, hab ich dann meine beiden Mitfahrerinnen noch nach Hause kutschiert. Man kann sich auch mal was gönnen.

Jetzt ist Mittwoch und morgen is so gesehen schon wieder Wochenende, dann geht’s nämlich zum Visual-History-Workshop nach Wien. Ick freu mir! Und die Aschewolke soll mal schön die Fresse halten!

P.S. Wir sind 79. von 110 (oder so) geworden. Da kann man auch mal zufrieden sein.

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