Ich wollte ja noch mehr zu Wien erzählen. Zum Samstag-Abend. Im ost-klub, wo wir nicht hingingen, trat Nadine Beiler, die Mireille Matthieu der Alpen, auf.

Die hat sich übrigens grade von ihrem Skispringer-Freund getrennt, weil sich beide auf ihre Karrieren konzentrieren wollen. (Im Flugzeug hatte man uns mit der Qualitätspresse versorgt. „Der Österreicher liest Österreich.“) Auf dem Heldenplatz Christina Stürmer. Austria’s Finest. Aber soll keiner der Frau Stürmer vorwerfen sie habe nicht trotz mäßiger Reaktionen ihr Bestes gegeben:

Ja! So feiern wahre Rockgrößen! Es ist 21.35 Uhr! Ab geht die Party und die Party geht ab! (Kurz danach hat sie gesagt: “Dann isses jetzt Zeit für PUNK!” Oh Yeah!)

Es fanden ungefähr 3 Straßenfeste (Bierfest! Bierfest!) gleichzeitig statt. Und die lange Nacht der Kirchen. Das ist wahrscheinlich sogar die beliebteste Veranstaltung, wenn ich da an die dreistellige Zahl von Kirchen pro Quadratmeter Stadt denke.

Ein bisschen was zu Wiener Straßenfesten: Laut Aussage meiner ortskundigen Begleitung is eigentlich jedes Wochenende irgendwo ein Fest oder ein Festival. Oder manchmal eben auch mehrere. In Österreich ist es zudem gang und gäbe, dass derlei Veranstaltungen von den großen politischen Parteien gesponsert werden. Das Stadtfest in dem Fall von der ÖVP.

Achtung, ich werde noch zum Österreich-Experte, die folgenden Informationen werden, so ich sie richtig erinnere, kaum Zweifel daran lassen: Die Bürgermeisterin des Ersten Bezirks ist von der ÖVP, der Bürgermeister von Wien aber von der Konkurrenz. Und weil die ÖVP generell gegen draußen-Feste und Schanis (öst. Tische-vor-den-Türen-von-Restaurants) und ähnlichem ist, versuchen sie durch das Stadtfest ihren Ruf als Spaßbremsen abzubauen. Dumm nur, wenn um zehn Licht und Musik ausgehen. Nice try. – Mist, ich merke gerade, es gab ein App zum Fest und ich hab’s mir nicht runtergeladen.

Wir sind dann nach ca. 1 Minute weiter zum Michaelerplatz, da spielten ein paar lustige Gesellen, der Dobrek, der Biz, der Abado, der Correa und der Neuwirth. Frei nach dem Motto “Das Slawische Wien lädt das Arabische, das Brasilianische und das Wienerische Wien zu einer musikalischen Begegnung ein.”

Spaßvogel.

Große Stars der Wiener Musikszene. Hat Isabella mir schon erklärt. Trotzdem hab ich ganz untypisch ein bisschen gestänkert und freche Fragen gestellt. Zum Beispiel nach dieser seltsamen Gitarre, die der mit dem Hut da spielt. (Wikipedia is übrigens mein bester Freund.) Und wieder schaltete sich eine Einheimische ein.

Kurzer Exkurs: Bereits nach gefühlten 2 Minuten Wien wurden wir in der Ubahn (!) angesprochen! „Sagen Sie, machen sie Sight-seeing in Vienna?!“ Öhm ja. Wieso spricht die mit uns? Und dann auch noch so voller Interesse. Das bin ich nicht gewöhnt.

Dann am Freitag-Abend in der Straßenbahn: Gerade steige ich in die verwirrenden Details österreichischer Titel ein, da schaltet sich der freundliche Mann vom Sitz gegenüber dazu. „Kennts ihr den Unterschied zwischen einem Hofrat und einem wirklichen Hofrat? Ein Hofrat arbeitet nicht viel, ein wirklicher Hofrat wirklich nicht viel.“ (Nachzulesen auch unter kath.net, ohne Witz!) Der Manfred, so hat sich herausgestellt, der darf aber seinen Titel in Österreich nicht tragen. Der hat nämlich in England studiert. Und deswegen heißt er einfach nur Manfred.

Zurück zum Michaelerplatz und der netten Dame im Regencape. „Das sind übrigens fünf sehr berühmte Wiener Musiker und die spielen jetzt hier heute Abend zusammen.“ Ahja, gut, dass Sie’s noch mal sagen. Hier wird Service groß geschrieben.

Wie versprochen sind wir dann noch weiter durch die Kaffeehäuser gezogen. Zum Kleinen Café und zum Alt Wien (wie gesagt, die leben jenseits jeglicher Internet-Repräsentanz).

Im Alt-Wien wurde den Panikmachern die Stirn geboten und mit gewohnt österreichischer Nonchalance dem Terror-Gemüse der Kampf angesagt:

Bestes Kellner-Erlebnis des Abends: Ich hätte gerne einen Almdudler-Weiß. – Undurchschaubares Starren in meine Richtung. – Ja also so Weißwein mit Almdudler halt. – Ja, ich weiß schon, was ein Almdudler-Weiß ist.

Achja, man muss sie einfach gern haben. Sowieso total falsch sowas zu trinken. Der Einheimische hält sich, zu jeder Tages- und Nachtzeit selbstverständlich an einem Apérol-Spritz fest. Manmanman, diese Touristen immer.

Am Sonntag ging’s dann kulinarisch und touristisch weiter und ich kam endlich zu meinem Schnitzel. Aber das ist eine andere Geschichte.

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One Response to “Küss die Hand Frau Hofratswitwe, ich bins, der Herr Magister.”

  1. Die Nadine spielt übrigens demnächst am Donauinselfest. Da ist auch freier Eintritt und es wird von der SPÖ gesponsert 😉
    Kommendes Wochenende ist übrigens ein Blasmusikfest. Wien sorgt dafür, dass für jeden Geschmack etwas dabei ist.

    Tschüss Baba

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