Mal wieder: Eine Meldung und ihre Geschichte:

Ich mag Kreuzberg. Nicht auf diese verrückte pseudo-hippieske-Kreuzberg-ist-der-einzige-Ort-auf-der-ganzen-weiten-Welt-an-dem-ich-Ich-sein-kann-und-alle-Anderen-auch, sondern einfach weil’s da ganz nett ist. Nicht im kleine-Schwester-von-Scheiße-Sinn, sondern echt. Hübsche Häuser, coole Bars, gute Restaurants, super Clubs und auch ein, zwei aufsuchbare Läden. Ich spreche natürlich vom „guten“ Teil. Der sich flickteppichartig neben und zwischen dem nicht.so.guten Teil ausbreitet.

Gut: Schlesische Straße. Schlecht: Köpenicker Straße. Gut: Görli. Schlecht: Prinzenbad. Ganz grob jetzt kann man sagen, je weiter im Osten Kreuzbergs, desto besser. Da geht’s ja auch nach Friedrichshain, hehe. Ne, Spaß beiseite, die Hippies haben schon recht, es gibt für Jeden was.

Wo also liegt das Problem? In erster Linie – und um die soll es hier wie gewohnt ja nur gehen – darin, nach Kreuzberg zu kommen. Nanu, wundert ihr euch, wie kann das sein? Im Gegensatz zu anderen Stadtbezirken (hustNeuköllnHust) ist man zwischen Gleisdreieck und Warschauer Straße doch hervorragend an das Berliner Verkehrsnetz angebunden. Und die Wege sind kurz. Sandra, Obacht, sieh dich vor, das sind doch schon wieder haltlose Anschuldigungen! Au contraire werfe ich euch entgegen, denn ihr vergesst ich komme ja über die Brücke!

Es gibt einige konfliktreiche, geschichtsträchtige, mythenbeladene Brücken in Berlin und auch in Kreuzberg, ich verweise hier nur auf den Streit um die Admiralsbrücke (wie jetzt, ohne „s“?! Okok, Admiral Brücke).

Ich aber spreche vom „Wahrzeichen Friedrichshain-Kreuzbergs“, der Oberbaumbrücke. Natürlich. Ort der legendären Gemüseschlacht. Ort der Begegnung. Ich kann sie (jetzt gerade) nicht leiden.

Das Problem beginnt allerdings viel früher. Da ich normalerweise von Norden komme, also von dort. Und zwar an der Ecke Revaler / Warschauer. Da wo Kaisers, die Sparkasse und der Oktogon-Döner aufeinander treffen. Idealer Nährboden für des Berliners liebste Spezies, den verpeilten Touristen.

Ist man zu Fuß unterwegs und hat das bedauerliche Vergnügen als Einheimischer dieses Territorium zu durchkreuzen, dann sollte man sich entweder mit Geduld oder mit einem Todesblick versehen. Je später der Abend, desto gesprächiger der Tourist. Es hilft, eine Standard-Antworten parat zu haben (wenn das mit dem Blick nicht klappen sollte und der Tourist nicht umfällt), meine wäre in diesem Fall: „Just down the Street.“ Denn in 9 von 10 Fällen wird man, da Vorbereitung vor dem Besuch einer fremden Stadt ja völlig überbewertet ist, danach gefragt, wo man denn heute Abend weggehen könne. AM BESTEN IMMER INS MATRIX SCHICKEN! Da nerven sie keinen! (Und wenn ihnen nicht klar ist, wo man in Berlin hingehen kann, dann haben sind sie da genau richtig…)

Gut, jetzt is ja Sommer und ich zum Glück meistens mit dem Fahrrad unterwegs. Ein entscheidender Vorteil, denn das gemeine Fußvolk fällt weg. Nicht jedoch dessen Hinterlassenschaften. Die machen sich vor allem auf dem Rückweg bemerkbar, und dann fängt die Brücke an der Ecke Schlesische / Falckensteiner an. Ein einziger Scherbenhaufen.

Warum nur? Warum kann man denn seine (Glas)Flasche nicht festhalten? Und wenn man sie schon fallen lässt, warum lässt man sie liegen? UND WARUM VERDAMMT NOCHMAL IMMER AUF DEM FAHRRADWEG? Es ist ein einziges Glücksspiel da durch zu kommen. Will nicht wissen, wie das immer aussieht, wenn ich mir meinen Weg durch das Scherbefest bahne. Links ein Schwenker, rechts ein Schlenker, als wäre ich die Betrunkene. Über die sich da aufbauende Paranoia habe ich an anderer Stelle bereits berichtet.

Und als wäre das noch nicht genug, hat den armen hilflosen Menschen noch nie im Leben jemand erklärt, was ein Fahrradweg ist. (Daher wohl auch der unsachgemäße Umgang mit den eigenen Scherben.) Wenn da ein farblich gekennzeichneter Bereich des Bürgersteigs / der Straße ist und da ist auch noch im 20m-Abstand so ein Fahrrad aufgemalt, na, was sagt uns das? Aber gut, dass der Tourist an sich noch nie was von Fahrrädern und allem was damit zusammen hängt, gehört hat, wurde uns ja spätestens klar, als man die tödliche Kombination von Fahrradtour und Statdführung erfunden hat.

Aufgrund fehlender Klingel (auch noch) versuche ich dann immer durch besonders grimmiges Anstarren auf mich und des Touristen Regelverstoß aufmerksam zu machen, damit die fröhlichen Gesellen zurück weichen. Mit mäßigem Erfolg, wie ihr euch denken könnt. Aber hey, dann gönn ich mir auch mal was und biete den Besuchern gleichzeitig ein authentisches Deutschland-Erlebnis: Laut Achtung! brüllen bahne ich mir meinen Weg und rücke das Bild vom schluffigen Deutschen, der zuvorkommenderweise nur noch Englisch spricht und sowieso nur Bier und Party im Kopf hat wieder zurecht. Gerne.

Aber Kreuzberg an sich is echt voll in Ordnung.

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One Response to “Das Problem mit Kreuzberg.”

  1. geil, ich habe meine facebook-seele an wordpress verkauft nur um dir sagen zu können: schreib weiter – mir macht das lesen spaß!

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