(Trotz Ich-Form heute in redaktioneller Kooperationsarbeit.)

„Das Spiel ist offen“ sagt Daniel „sie müssen nur 3 Tore machen.“ Miri wettet, dass sie das nicht schaffen. Fachmännisch hat sie erkannt: Die Tschechen spielen besser. Die Dänen stehen ganz viel rum. (Nachtrag 22.36 Uhr: Sie hat Recht behalten. Mein Gott ist das hier aktuell.)
Kopenhagen spielt gegen Pilsen und Miri und ich genießen den dänischen Fußball-Sound. Denn der FC København möchte in die Championsleague. Ganz unbedingt sogar. Die Sparte „Groteskes“ wird dabei heute von der Werbung im dänischen Fernsehen besetzt. Ich möchte in diesem Kontext auf die beiden diskutierenden Gartenzwerge verweisen, wo am Ende einer den anderen spaltet und auf die beiden nackten Köche im Wohnwagen. Beim Sinn muss ich mehr raten.
Und jetzt spielen sie auch noch Backstreetboys als Hintergrundmusik. Herrje. Da muss ich erstmal den Pausenboogie tanzen.

Gestern wollte Odense in die Champions League. Die haben zuhause 1:0 gewonnen und hier brach der Megahype aus. Der ein oder andere hat sogar schon Bayern München anreisen gesehen. Das Rückspiel gegen Villa Real gestern, das ging dann eher unglamourös für die Dänen aus, aber dadurch dürfte dem ein oder anderen unser momentaner Aufenthaltsort ein Begriff sein.

Odense liegt auf Fünen, einer der dänischen Inseln und die Leute hier werden vom Rest des Landes liebevoll als Bauerntrottel („Bonderøve“) bezeichnet. Ein Wort, das ich mit Freuden in meinen aktiven Sprachschatz übernehme. Kurz, stellt Miri prägnant fest: Das Verhältnis der Rest-Dänen zu den Odense-Dänen ist von Verachtung geprägt. Liegt auch daran, dass man hier in der Provinz einen seltsamen Dialekt spricht und nicht das sogenannte „Reichs-Dänisch“ (= Hochsprache).

Auch sonst haben wir jede Menge Wissenswertes über Odense und Fünen gelernt, Vieles davon für geographically impaired wie uns absolut neu. Und augenöffnend. Zitat Miri: „Ach, wir sind hier auf Fünen? Da war ich doch letzten Herbst erst.“

Hier haben sie zum Beispiel den größten Kreisverkehr des Landes. Den wir heute besichtigt haben! Außerdem besichtigt: Tote Könige.

König Knud ist der Sohn von Sven, aber wer der war ist nicht ganz klar, denn Knud war ja der erste König. Oder war das doch Gomm den Gammlä (Gorm den Gamle)?! Und wo ist eigentlich Hamlet, wenn man ihn braucht? Jetzt ist Knud jedenfalls schon lange tot und sein kaum 1,50m großer sterblicher Überrest liegt unter Glas im Odenseer Dom. Daneben sein Bruder Benedikt, der aber nicht heilig und deswegen weniger cool ist. Daniel wirft ein: Es gab auch den König Harald Blåtand, vulgo: Blauzahn, nach dem das Bluetooth benannt wurde. Was es nicht alles gibt. Der Däne ist überall!
Ich habe dann im Märchenpark in der Speaker’s Corner spontan, wie es so meiene Art ist, eine flammende Predigt über den Dänen an sich und die Kunst im öffentlichen Raum gehalten.

Ja, Odense ist nämlich voll mit alten Menschen, die Fahrrad fahren und dabei bunte Helme tragen. Diese alten Menschen wiederum sind vermutlich treibende Kraft hinter der überall im öffentlichen Raum verteilten Kunst im öffentlichen Raum. Keine Grünfläche kommt ohne sie aus.

Vielleicht handelt es sich dabei aber auch um ein Arbeitsbeschaffungsprogramm für mittellose Künstler. Die haben hier ein ganz schön schönes Leben scheints mir, vor allem, weil man in Dänemark ruhigen Gewissens Bier ab 11 Uhr vormittags trinken kann.
In der Fußgängerzone, die ungefähr den ganzen Innenstadtbereich einnimmt, ist gerade Slutspurt – Miris Lieblingswort des Tages. Das hat aber nichts mit den Damen aus der Oranienburger zu tun, sondern ist die liebevolle Bezeichnung für den Schlussverkauf. Ja, wie unschwer zu erkennen ist, hatten wir auch heute wieder jede Menge Spraß mit der dänischen Sprache und Daniel und Elke haben das geduldigst ertragen! Außerdem: Wie echte Touristen den Fahrradweg blockieren, ahnungslos gucken und Fotos machen.

Sie haben auch jede Menge Urlaubsdinge mit uns gemacht: Minigolf spielen zum Beispiel. Das durfte ich ja lange Zeit nicht, weil ich bekannterweise nicht verlieren kann und leicht grantig werde. Schlecht in Kombination mit einem Metallschläger. (Viel, viel handlicher als jeder Stuhl…) Aber mittlerweile kann ich Niederlagen echt viel besser verkraften. Bis morgen wird sich der Unmut spätestens gelegt haben. In dänischen Minigolf-Anlagen darf man die Bahnen übrigens betreten, das mindert den Frust aber nur bedingt. 77 verdammte Punkte. Das hätte doch nicht sein müssen.
Während ich erst – unerlaubt – den Rasen und dann auch noch den Strand betreten habe, hat Miri Baywatch gespielt. So ist für jeden was dabei.

Ein Eis hätten wir auch noch haben können, hätten wir gewollt. Aber irgendwas muss man sich ja auch noch aufsparen. Zum Abendessen gab’s schon mal Spare-Ribs. For helvede!

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