Also Sonntag, da sollten wir auf jeden Fall brunchen gehen. Und danach vielleicht noch ein Museum. Oder in den Tivoli. Irgendwas sehen auf jeden Fall, wo wir noch nicht waren. Yeah. Not gonna happen. Die schlafen nämlich alle noch.

Uns zu Ehren wurde hier gestern Abend eine kleine Sause veranstaltet, auf dänische Art wohlgemerkt. Schon Freitagabend, als wir nach Malmö fuhren, wurde mir klar, dass die ganze Diskussion um Bier-auf-Bahnhöfen-trinken, mal wieder in typisch deutscher Art ein Problem schafft, wo gar keins ist. In Kopenhagen von „Wegbier“ zu sprechen wäre die reinste Untertreibung, treffender wäre wohl „Weg-Sixpack“.

Kurz zum Vergleich: Wir (4 Alkoholiker) verließen das Haus mit zwei Weinflaschen und ca. 10 Dosen Bier. Damit sollte zwar auch den hohen schwedischen Bierpreisen ein Schnippchen geschlagen werden, aber so ganz hat das nicht geklappt. Auf dem Weg zum und im Zug passierten uns dann unter anderem zwei Jungs mit einer 24er-Palette Bier und diverse andere Gruppen mit schwer durchhängenden Plastiktüten. Ich glaube nicht, dass da Salat drin war.

Und gestern Abend dann das gleiche Schauspiel: Während man in Berlin anstandshalber eine Flasche Wein oder ein paar Flaschen Bier mitbringt (in etwa das, was man sich zutraut selbst zu trinken), trafen die Gäste hier gestern beispielsweise mit einer 2-Liter-Flasche Sangria und mehreren Sixpacks Dosenbier ein. (Was sie sich zutrauen zu trinken eben. Ich sehe da durchaus die Parallelen. Nur der Maßstab ist ein anderer.) Überhaupt Dosenbier: Das hat man hier sinnvollerweise wieder ein- und Glasflaschen abgeschafft.

Aber genug des Alkohols.

Die ersten Leichen kriechen aus ihren Nestern: Der ein oder andere hat sich heute morgen um 5.30 Uhr also noch in eine „Morning-Bar“ geschleppt. Das erklärt auch, warum Anna, als ich sie gegen 9 Uhr antraf, so entsetzt war. Hallo? Ich musste eben Zähneputzen, man kann sich nicht aussuchen, wann man aufwacht und plötzlich den megadringenden Wunsch verspürt seine Zähne zu putzen.

Vor den Exzessen haben wir uns gestern entsprechend den bildungsbürgerlichen Maßgaben dieser Reise noch ein wenig kulturell gebildet. Im Staalichen Museum für Kunst konnte ich endlich das Rätsel der Simpsons lösen:

(Das is Matisse.)

Danach sind wir zum FoodFestival in den alten Schlachthöfen (scheinbar eine sehr anrüchige Gegend) gegangen.

Da gabs vor allem Fisch. Und Hummer zum Selberaussaugen. Ein sehr schönes Konzept: Jeder bekommt eine Art Gutschein-Stempelkarte und dann kann man sich an den diversen Ständen kleine Miniportionen irgendwelcher poshen Speisen geben lassen. War so eine Art Spielplatz für Erwachsene: Man kann alles anfassen und in sein gieriges Mäulchen stopfen was einem gefällt.


Leider hats geregnet. UND MANCHE STÄNDE WAREN SCHON ZU. Auch dies prangere ich an! Aber der Regen wird gleich weniger schlimm, wenn man ein Taxi nimmt. Sag ich mal so. Is eh alles ganz nah beieinander hier, da kann man sich auch mal kutschieren lassen. (Die Logik dieser Aussage bitte nicht hinterfragen.)

Wir fassen den Samstag zusammen: Zuerst franske und danske und überhaupt nordiske Kunst und Kultur für kein Geld, dann kulinarische Ausflüge, die im wesentlichen mit Lachs zu tun hatten und dann Alkoholexzesse und Singen und Tanzen und Spaß. Dann unkontrolliertes Schlafen.

(Sandra fällt gegen 3.30 komplett angezogen auf Miriams Luftmatratze ins Koma. Die andere Miriam geht gegen 4.30 ins Bett. Sandra bewegt sich dann in ihr eigenes Bett. Cousinen-Miriam geht um 5.30 ins Bett, kann sich aber am nächsten Morgen nicht erklären, weshalb sie nackt in ihrem Schlafsack lag und vergessen hat, Pyjamas anzuziehen. Zur gleichen Zeit gehen Stefan und Anna in eine Bar, vergessen aber, ihr Geld mitzunehmen. Um 8.30 kommen sie wieder, Stefan findet einen betrunkenen Partygast in seinem Bett schlafend vor, legt sich auf seine Couch. Um 9 Sandras Encounter mit Anna. Um 11 denkt Miriam es wäre voll die gute Idee, jetzt aufzustehen und duschen zu gehen, bevor alle anderen auf den gleichen Gedanken kommen. Eine halbe Stunde später wird ihr klar, niemand wird hier in den nächsten 1 oder 2 Stunden aufstehen, sie legt sich im Wohnzimmer auf dem Sofa wieder schlafen. Eine Stunde später: Auftritt Sandra….. etc.)

Und jetzt muss man ja noch sagen, dass diese kleine Rekonstruktion die Vielzahl der menschlichen und emotionalen Dramen, die sich im Laufe des Abends und der Nacht abgespielt haben noch nicht beinhaltet. Manchmal sind Männer einfach die größeren Drama-Queens, da können sie noch so ne gute Figur im Handtuch abgeben, Prinzessin bleibt Prinzessin.


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