Ich bin jetzt seit mehr als drei Tagen unterwegs. Also eigentlich seit 18 Tagen, wenn man’s genau nimmt. So lange ist es her, dass ich mehr als vier Nächte im gleichen Bett geschlafen habe. Aber: Nicht dass ich mich beklage, au contraire, ich finde es herrlich! Jetset, woohoo. Oder wie S. sagte: Hast du ein Leben!

Freitag war ich noch in LA. So etwa 14 Stunden Flug (inklusive äußerst unentspanntem Umsteigen in Chicago) und 9 Stunden Zeitverschiebung später war ich zurück in der alten Welt. Zürich – Basel – Grenzach. Montag bin ich dann mit der immer für Spaß und Verspätungen zu habenden Bahn nach Berlin gefahren, von wo ich heute – Dienstag – nach Moskau geflogen bin. Weitere zwei Zeitstunden weiter östlich sitze ich jetzt am – internationalen – Flughafen Moskau-Vnukovo auf dem Bahnsteig Nummer 3 des Aeroexpress und warte auf den nächsten Zug in die Stadt, denn den letzten habe ich um 5 Minuten verpasst… will auch nicht so genau wissen, was für Unsummen ich für das Ticket ausgegeben habe, die Kreditkarte ist (noch) geduldig und ich habe versäumt, mich nach dem Wechselkurs zu informieren.

Mein inneres Zeitempfinden ist logischerweise völlig durcheinander, obwohl ich für einen kurzen Freudenmoment Samstagmorgen dachte, den Jetlag überlistet zu haben. Als ich Sonntag dann 3.30 Uhr aufwachte, war diese Freude schlagartig verflogen, wen wundert’s. In LA ist es gerade 3 Uhr morgens, in Grenzach und Berlin 12 Uhr mittags, und hier 14 Uhr, hoffentlich bald 15 Uhr nachmittags. Auf der Plusseite habe ich ungeahnte Fähigkeiten darin entwickelt, das Gewicht meines Koffers zu schätzen (auf dem Rückweg aus den USA! USA! USA! 46 pounds = Volltreffer, augenblicklich 25,4 kg, der Lufthansa-Mann hat das aber wohlwollend durchgehen lassen, sicher weil ich so nett “Guten Morgen” gesagt habe, obwohl es kein guter Morgen war, es kann kein guter Morgen sein, wenn man 4.20 MESZ aufgestanden ist, Jetlag hin oder her). Außerdem bilde ich mir viel auf meine unglaublichen Skills im Handgepäck-unter-Vordersitzen-Verstauen ein und mittlerweile klappt es mit dem Schlafen im Flugzeug sogar schon so gut, dass mich die Stewardess vorhin recht entschieden wecken musste, als das Frühstück serviert wurde.

Apropos. Ich reise jetzt nur noch zur Frühstückszeit, habe ich beschlossen. Dafür sprechen meine in den letzten zwei Wochen mit Flugzeugessen gemachten Erfahrungen: Heute gab es Joghurt (Bauer), Müsliriegel (Balisto), Marmelade (Kirsche! Nicht dieses absurd eklige Gemisch namens grape-jam, bah, das sie einem in den USA als Marmelade andrehen wollen und das ich in jugendlichem Leichtsinn und hungrigem Überschwang dick auf meinen Frühstücksbagel schmierte…), Frischkäse (Exquisa), Butter, Brötchen, die vermutlich aus Mehl gemacht wurden und nicht aus Altpapier und, Achtung: Crêpes (vulgo: Pfannkuchen). Hier kann ich Mensch sein! (© FM) Was man im Gegensatz dazu bei Air Canada und Swiss serviert bekommt… ich möchte gar nicht anfangen davon zu sprechen, ich sag nur “Hühnchen” – und ihr seid ja alle schonmal geflogen, ihr könnt’s euch vorstellen. Auf den inneramerikanischen Flügen, immerhin auch 4 Stunden, gab es gar überhaupt nichts zu essen – Danke United, für Nichts!

Achso ja, ein (weiteres) Gutes hat das ganze Reisen darüber hinaus: Ich bin jetzt nicht nur so entspannt dem Fliegen gegenüber, dass ich die Idee, an einem der kommenden Wochenenden einen Ausflug nach Jekaterinburg zu machen, trotz der Aussicht mit einer innerrussischen Airline fliegen zu müssen, tatsächlich in Betracht ziehe, ich fange sogar an, sowas wie Geduld zu entwickeln! Geduld gegenüber von ihren Eltern nicht unter Kontrolle gehaltenen Kindern in Flugzeugen, gegenüber stinkenden Sitznachbarinnen im ICE, gegenüber Gepäckbändern und Einreisekontrollen und endlosen Flughafen-internen Transferstrecken. Aber vielleicht ist das auch nur eine Sinnestrübung, hervorgerufen durch das unsäglich lange Warten bei der Passkontrolle vorhin.

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