Heute war ich mit J. in Westberlin und wir philosophierten so ein wenig vor uns hin und dann meinte er ich solle diese meine neuen Erkenntnisse doch aufschreiben und ich habe so hin und her gedingst und gemeint mir sei gerade nicht so danach und es fehle an Ideen aber eigentlich hatte er doch recht. Also.

Ich war mit M. verabredet und wir lagen in der Sonne und erzählten uns von unseren Leben und dann musste sie zum Zug. Aber zum Glück war ich ja auch noch mit J. verabredet und der meinte, komm, wir machen mal was Verrücktes, wir fahren in den Westen.

Ich brachte also M. zum Hauptbahnhof und unterwegs begeisterten wir einander mit unserem mangelhaften Wissen über den Verlauf der Berliner Mauer (Zitat: Hier im Norden ist glaub ich Osten.) und ich musste aus peinlicher Berührtheit ein paar echte Touristen vorbei gehen lassen, damit das nicht so auffiel mit dem Stochern im historischen Nebel.

Am Hauptbahnhof hüpfte dann J. in den Bus in dem ich schon saß und der bisher 245 hieß, jetzt aber 123. Also eigentlich hieß er „Betriebsfahrt“, aber der Fahrer brüllte beim Halten und Öffnen der Türen liebevoll „Ditt is der 245er.“. Der dann aber zum 123er wurde. Der wiederum nicht wirklich dahin fuhr, wo wir hin wollten, aber nun saßen wir schon und was Besseres fiel uns nicht ein. Auf in den Westen!

Einmal ums Poststadion rum und mitten in Moabit war das dann aber auch schon genug Abenteuer und wir wechselten zur U9. Zum Ernst-Reutter-Platz und dann laufen wir da so hinter, da finden wir sicher was, so lautete der Plan. Blöd halt nur, dass die U9 ja gar nicht über Ernst-Reutter-Platz fährt. Es rächte sich, dass wir nicht öfter im Westen waren. Neue Idee: Komm, wir gehen ins KaDeWe! Dann fiel uns aber zum Glück noch rechtzeitig ein, dass das ja überdacht ist und der Sinn der Sache war ja eigentlich gewesen, irgendwo in der Sonne zu sitzen.

Wir einigten uns dann auf das nächstliegende und fuhren weiter nach Schöneberg und aßen Burger am Nollendorfplatz.

So richtig knackig warm war’s dann auch nicht mehr und statt noch irgendwo zu sitzen spazierten wir lieber mit der Sonne im Rücken entlang der Hochbahn zurück Richtung Osten. Filmreifer Auftritt. Jetzt kommt der Teil mit dem Philosophieren: Gentrifizierung, Schwabenhass und Wohnungsmangel. Außerdem stellten wir fest, dass es da offenbar eine Art Straßenstrich gab, der nicht die Kurfürstenstraße ist und das wussten wir gar nicht und natürlich sprachen wir dann über das Wesen der Prostitution und plötzlich war die Straße zu Ende.

Wir sind dann an einer Kleingartenkolonie vorbei gestolpert und standen plötzlich auf einem weiten grünen Feld und Berlin sah aus, wie eine Stadt aussehen soll. Es fiel ein Central-Park-Vergleich, ich freute mich über das schöne Wort „Rasenansaatfläche“, wir beschlossen, dass man doch wirklich mal Beachvolleyball spielen gehen könnte und rätselten darüber, welche Bäume da am Wegrand standen um dann festzustellen, dass es eigentlich egal war und am Ende fanden wir auch den Weg zurück zur Ubahn und fuhren wieder heim.

Schön war’s im Westen.

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